{"id":143,"date":"2017-08-10T16:47:24","date_gmt":"2017-08-10T14:47:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vornheder.de\/?p=143"},"modified":"2017-08-10T16:47:24","modified_gmt":"2017-08-10T14:47:24","slug":"konzept-zur-durchfuehrung-eines-interventionscamps","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vornheder.de\/?p=143","title":{"rendered":"Konzept zur Durchf\u00fchrung eines Interventionscamps"},"content":{"rendered":"<p>Eine Gruppe von Auszubildenden hat in der Gesellenpr\u00fcfung im Sommer 2009 in jeweils einem Teil der Pr\u00fcfung\u00a0 (praktisch\/theoretisch) keine ausreichenden Leistungen erbracht und deshalb das Pr\u00fcfungsziel nicht erreicht. Da die Vorbereitung auf die Pr\u00fcfung fachlich sehr intensiv durchgef\u00fchrt wurde, ist die Annahme zu treffen, dass die Misserfolge sehr individuelle Ursachen haben die auf der pers\u00f6nlichen Ebene des jeweiligen Auszubildenden zu suchen sind. So ist zum Beispiel ein Auszubildender\u00a0 der vor Ort in den \u00dcbungskabinen sichere Leistungen erbracht hat in der praktischen Pr\u00fcfung durchgefallen.<\/p>\n<p>Da sich der Zugang auf der pers\u00f6nlichen Ebene trotz gut ausgepr\u00e4gter Beziehung\u00a0 \u201eAusbilder\/P\u00e4dagoge \u2013 Auszubildender\u201c\u00a0 in der Ausbildungsst\u00e4tte sowohl zeitlich, als auch im gruppendynamischen Kontext schwierig gestaltet, ist geplant in einen dreit\u00e4gigen Interventionscamp in einer einflussarmen Umgebung die Misserfolge zu bearbeiten und neue Handlungskonzepte mit den Auszubildenden zu entwickeln.<!--more--><\/p>\n<p>Konkret soll in dem Interventionscamp zun\u00e4chst der Misserfolg, das Versagen bearbeitet und verstanden werden. Dazu soll in der Zusammenarbeit mit dem Auszubildenden eine Diagnose auf Ebene der pers\u00f6nlichen Kompetenzen und im Kontext mit der Biographie gestellt werden. Die Erkenntnisse aus der Analyse der fachlichen Ebene soll\u00a0 nat\u00fcrlich einbezogen werden. Die Erkenntnisse aus der individuellen Diagnose sollen dann\u00a0 die Basis f\u00fcr Einzel- und Gruppenarbeit in dem Interventionscamp bilden.<\/p>\n<p>Die Grundlage f\u00fcr die Durchf\u00fchrung einer solchen Ma\u00dfnahme bilden zum einen die Inhalte des Fachkonzeptes des Unternehmens f\u00fcr die BaE 2006 Seite 30 ff., der Inhalt des QMH &#8211; Kapitel 9 BaE, die Verdingungsunterlagen Kapitel B.3 ff. \u00a0Zum anderen kann man auf der psychosozialen Ebene und im Kontext \u201ePr\u00fcfung\u201c und \u201eResultat der Pr\u00fcfung\u201c \u00a0das Konzept der \u201ekritischen Lebensereignisse\u201c\u00a0 von Sigrun-Heide Fillip heranziehen.<\/p>\n<p>Eine Vielzahl von Lebensereignissen unterliegt der Entscheidungskontrolle der Person. Dies erm\u00f6glicht der Person eine vorwegnehmende Ereignisbew\u00e4ltigung, aber auch das Einleiten vorbereitender Ma\u00dfnahmen. Hier muss zwischen normativen, also Ereignissen die f\u00fcr ein Lebensalter, oder einen bestimmten Lebensabschnitt einer Personengruppe spezifisch sind und non-normativen, folglich absolut individuellen Ereignissen unterschieden werden (vgl. Fillip, 1981, S. 11).<\/p>\n<p>Hier kommen Anwendungsimplikationen,\u00a0 die mit Stichworten wie Krisenpr\u00e4vention und Krisenintervention bezeichnet werden, in Betracht. Man trifft die Annahme, dass der Sinn pr\u00e4ventiver Ma\u00dfnahmen nicht darin liegen darf ein Lebensereignis zu verhindern, sondern vielmehr die betroffene Person dazu bef\u00e4higen soll, konstruktiv mit Ereignissen umzugehen (vgl. Fillip, 1981, S.44 f.).<\/p>\n<p>In unserem Fall, ist in diesem Zusammenhang sehr interessant, dass Ereignisse die vorhersehbar sind als weniger kritisch betrachtet werden weil sie der betroffenen Person antizipatorische Bew\u00e4ltigungsstrategien erm\u00f6glichen und von vorwegnehmenden Ma\u00dfnahmen begleitet sein k\u00f6nnen. (vgl. Fillip, 1981, S.31). Es gibt Studien in denen prim\u00e4r pr\u00e4ventiv Menschen erfolgreich auf ein solches Ereignis vorbereitet wurden. \u201ePrim\u00e4re Pr\u00e4vention mag sich also darauf beziehen, dass die Person in die Lage versetzt wird, solche kontextuellen Ressourcen sich verf\u00fcgbar zu halten und ggf. zu nutzen. Hierzu m\u00f6gen Kompetenzen und Verhaltensmerkmale relevant werden, die nur noch scheinbar etwas mit der G\u00fcte der Ereignisbew\u00e4ltigung zu tun haben, gleichwohl als Erziehungs- und Entwicklungsziele allgemeinerer Art\u00a0 unter prim\u00e4ren Gesichtspunkten formuliert werden k\u00f6nnen\u201c (Fillip, 1981, S.45 f.).<\/p>\n<p>Der Auszubildende, f\u00fcr den die Gesellenpr\u00fcfung , der Erfolg oder Misserfolg in dieser Pr\u00fcfung und \u00a0der \u00dcbergang in eine Erwerbst\u00e4tigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt \u00a0bevorsteht, kann sehr wohl mit geeigneten Ma\u00dfnahmen auf dieses Ereignis vorbereitet werden, was zumindest theoretisch zur Folge hat, dass diese Situation als weniger kritisch zu betrachten ist.<\/p>\n<p>Gute Erfahrungen haben wir\u00a0 bereits in einem anderen Zusammenhang mit einem ausgelagerten Training gemacht. Zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres zeigte sich im Bezug auf die Gruppendynamik bei der Gruppe der Auszubildenden eine Krise auf. Die Auszubildenden zeigten keine Bereitschaft miteinander zu arbeiten, der Arbeits-,\u00a0 Ausbildungsalltag wurde von pers\u00f6nlichen Konflikten bestimmt. In diesem Zusammenhang f\u00fchrten wir extern ein Teamtraining durch was einen nachhaltigen Einfluss auf das gruppendynamische Geschehen in dieser Gruppe hat. Im Gruppenvergleich zeigt diese Gruppe heute einen gr\u00f6\u00dferen Entwicklungsstand in Bezug auf die pers\u00f6nlichen Kompetenzen im speziellen Teamf\u00e4higkeit, Kommunikationsverhalten und Beziehungsverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Quelle <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\">(Filipp, Sigrun-Heide (Hrsg.) (1981):Kritische Lebensereignisse. M\u00fcnchen &#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wien &#8211; Baltimore: Urban&amp;Schwarzenberg)<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ziele des Interventionscamps<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Verhindern von motivalen Abbr\u00fcchen w\u00e4hrend der Ausbildungsverl\u00e4ngerung<\/li>\n<li>Strategien zum Umgang mit Pr\u00e4-\/Post \u2013Pr\u00fcfungsstress entwickeln<\/li>\n<li>Ung\u00fcnstige Faktoren in der eigenen Biographie finden , thematisieren und bearbeiten<\/li>\n<li>Strategien im Umgang mit kritischen Lebensereignissen erarbeiten<\/li>\n<li>Definition \u2013 , Neudefinition pers\u00f6nlicher Ziele<\/li>\n<li>Entwicklung \u2013 und Festigung eines positiven Selbstbildes<\/li>\n<li>Umgang mit \u00c4ngsten und Lernhemmungen speziell im Kontext der Pr\u00fcfung<\/li>\n<li>Neuorientierung im Kontext von Misserfolgen \u2013 \u201eNicht der Andere ist Schuld, ich muss bei mir selber suchen\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Methoden im Interventionscamp<\/strong><\/p>\n<p>Provokative Einzel- und Gruppengespr\u00e4che.\u00a0 Das Ziel der provokativen Gespr\u00e4che ist die St\u00e4rkung der Selbstverantwortung des Auszubildenden. Durch die provokativen Interventionen werden beim Auszubildenden der Wille zur konstruktiven Ver\u00e4nderung und seine Selbstheilungskr\u00e4fte mobilisiert. Das bef\u00e4higt ihn &#8211; meist in sehr kurzer Zeit &#8211; sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und selbstsch\u00e4digende Verhaltensweisen durch ges\u00fcnderes Verhalten zu ersetzen.<\/p>\n<p>Biographiearbeit in individuellen Einzelgespr\u00e4chen und als Gruppenarbeit. Darstellung des bisherigen Lebensverlaufes mit Hervorhebung von pr\u00e4gnanten Lebensereignissen und kontextualer Herausarbeitung von vorhandenen Hemmnissen. \u00a0Erarbeiten \u00a0eines Soziogrammes zur Darstellung vorhandener Beziehungen und \u00a0herausarbeiten der aus diesen Beziehungen resultierenden Wechselwirkungen f\u00fcr ein besseres Selbstverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>Isolierte Selbstreflektion in einer abgeschiedenen Umgebung. Der Auszubildende soll in dieser\u00a0 reizarmen Umgebung nicht wie gewohnt von exogenen Faktoren in seinem Denken und Handeln beeinflusst werden und somit die M\u00f6glichkeit haben sich ohne\/ mit wenig Ablenkung auf sich selbst zu konzentrieren. Die Erkenntnisse sollen im Sinne der Partizipation anschlie\u00dfend in der Gruppe diskutiert und dokumentiert\u00a0 werden.<\/p>\n<p>Wie verbringe ich meine Zeit? Es erfolgt eine intensive Analyse des jeweiligen individuellen Tagesablaufes und die Emergenz der einzelnen Schwerpunkte wird neu definiert. Das Ziel ist es, die einzelnen Priorit\u00e4ten so zu setzen, dass die Vorbereitung auf die Pr\u00fcfung ein fester Bestandteil der Selbstorganisation wird, jedoch im allt\u00e4glichen Leben au\u00dferhalb der Lernsituation nicht negativ \/ demotivierend wirkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine Rolle im gesellschaftlichen Kontext: \u201eWas wollen die von mir?\u201c Definition der Rolle des Azubis im sozialen Gef\u00fcge des Ma\u00dfnahmetr\u00e4gers im Vergleich zum gesamtgesellschaftlichen Kontext. Entwicklung eines Verst\u00e4ndnisses f\u00fcr die Notwendigkeit, sich mit gesellschaftlichen Normen zu identifizieren und trotzdem die Individualit\u00e4t zu bewahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Rahmenbedingungen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ort: \u00a0<\/strong>Reiz- und einflu\u00dfarme Umgebung<\/p>\n<p><strong>Teilnehmer:<\/strong> \u00a0 Auszubildende \u00a0mit ihren Bezugspersonen (Ausbilder, P\u00e4dagogen) und Trainer<\/p>\n<p><strong>Kosten:<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0Garantie \u00fcber gut vertretbare Kostendimension<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Gruppe von Auszubildenden hat in der Gesellenpr\u00fcfung im Sommer 2009 in jeweils einem Teil der Pr\u00fcfung\u00a0 (praktisch\/theoretisch) keine ausreichenden Leistungen erbracht und deshalb das Pr\u00fcfungsziel nicht erreicht. 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