{"id":101,"date":"2017-08-10T14:05:49","date_gmt":"2017-08-10T12:05:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vornheder.de\/?p=101"},"modified":"2020-10-09T07:51:02","modified_gmt":"2020-10-09T05:51:02","slug":"beziehung-s-weise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vornheder.de\/?p=101","title":{"rendered":"Beziehung (s) Weise"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\"><strong>Entstehen und Wirken von Beziehung nach Rogers und Moor<\/strong><\/span><\/p>\n<h2><strong><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Vorwort und Danksagung<\/span><\/strong><\/h2>\n<p>Mein ganzes inneres Wirken erwies sich als eine lebendige Heuristik, welche, eine unbekannte geahnte Regel anerkennend, solche in der Au\u00dfenwelt zu finden und in die Au\u00dfenwelt einzuf\u00fchren trachtet. <em>(Johann Wolfgang von Goethe)<\/em><\/p>\n<p>Etwas f\u00fcr mich wesentliches konnte ich schon vor einer konkreten Festlegung auf das Thema meiner Arbeit erfahren. Sehr h\u00e4ufig habe ich mich dazu verleiten lassen eine Kritik an etwas aufzubauen um dann den Versuch zu unternehmen diese Kritik haltbar zu etablieren.<!--more--> Im Verlauf meines Studiums, ganz besonders im Fach\u00a0der Heilp\u00e4dagogik und der Auseinandersetzung mit der Heilp\u00e4dagogik nach Paul Moor kam es dann zu einer f\u00fcr mich besonderen Erkenntnis. Probleml\u00f6sungen sind Situationen in denen ich mich auf Etwas hinzu bewege, das impliziert zwar auch ein Weg von einem vorhandenen Problem, ist aber nach meiner Erkenntnis wesentlich zielorientierter da dieser Weg sich deutlich mehr mit dem Erreichen einer L\u00f6sung als mit dem Problem an sich besch\u00e4ftigt. \u00a0Einfach ausgedr\u00fcckt, ein Hin zu ist erfolgversprechender als ein Weg von, impliziert dieses aber.<\/p>\n<p>Paul Moor formuliert das in seinem Grundlagenwerk in der zweiten der drei von ihm aufgestellten Grundregeln f\u00fcr das heilp\u00e4dagogische Handeln.<\/p>\n<p>\u201e2. Wo immer ein Kind versagt, haben wir nicht zu fragen: Was tut man dagegen? \u2013 P\u00e4dagogisch wichtiger ist die Frage: Was tut man daf\u00fcr? \u2013 n\u00e4mlich f\u00fcr das, was werden sollte und werden k\u00f6nnte.\u201c (Moor, 1974, S.15)<\/p>\n<p>Diese wichtige Erkenntnis f\u00fchrt mich nun zum einem Thema welches mich zumindest unbewusst schon lange besch\u00e4ftigt, aber es erst durch den beschriebenen Erkenntnisprozess sichtbar wurde. In meiner eigenen, hohen Erwartungshaltung, die \u00fcbrigens auch etwas mit Beziehung zu tun hat, habe ich das Thema dieser Arbeit erst sehr komplex formuliert um aus meiner Sicht einem Anspruch der Wissenschaftlichkeit zu gen\u00fcgen. Das f\u00fchrte schon fast dazu, dass ich den Untertitel meiner Arbeit in zwei S\u00e4tze kleiden wollte, die schon eine zentrale Aussage dieser Arbeit vorweg genommen h\u00e4tten. Ein entscheidender Rat, der etwas von mir wegnahm, \u00a0versetzt mich nun in die Lage mit dem Untertitel \u201eDas Entstehen und Wirken von Beziehung nach Rogers und Moor\u201c nicht nur den Umfang des Themas zu beschreiben, sondern schon mit dem Titel einen Spannungsbogen aufzubauen und eine Neugier auf das Folgende zu erzeugen.<\/p>\n<p>Nach etlichen Versuchen und Er\u00f6ffnungen mit einem ersten Satz \u00fcberkamen mich gro\u00dfe Zweifel, ich agiere mit eigenen Beobachtungen und Erfahrungen, bin mir der Subjektivit\u00e4t bewusst und stelle mir einige Male die Frage: Ist das Wissenschaft, gen\u00fcgt das wissenschaftlichen Anforderungen? Ein Dilemma welches soweit \u00a0f\u00fchrt, dass ich einige Male sehr dazu geneigt bin aufzugeben, diesen letzten Schritt in meinem Studium und den ersten eigenen Schritt in die Wissenschaft nicht mehr zu vollziehen. Im Fortschritt meiner Recherche lese ich dann etwas von Rogers was mir gro\u00dfen Auftrieb und Best\u00e4tigung bez\u00fcglich meines Tuns geben.<\/p>\n<p>Denn genau das zun\u00e4chst subjektiv Erfahrene ist in der wissenschaftsphilosophischen Auffassung Rogers die Basis des wissenschaftlichen Wissens. (vgl. Rogers, 2006, S.214)<\/p>\n<p>An dieser Stelle bedanke ich mich bei den Lehrenden die mich in meinem Erkenntnisprozess herausgefordert, aber auch sch\u00fctzend begleitet haben. Ich bedanke mich auch bei den Personen, die meine Neugierde und auch mein Experimentieren ausgehalten und ertragen haben. Ganz besonders bedanke ich mich bei meiner Tochter Alexa f\u00fcr die Entbehrungen die sie wegen meiner st\u00e4ndigen Besch\u00e4ftigung und Abwesenheit in Kauf genommen hat. Als letzte soll hier noch meine Partnerin Susanna ein gro\u00dfes Dankesch\u00f6n bekommen, Du hast eine gro\u00dfe Menge Fachlatein, abstrakte Abhandlungen und die Diagnose deiner Lebensereignisse aushalten m\u00fcssen, wobei ich insgeheim wei\u00df, dass die Entwicklung unserer Beziehung dadurch auch gut gen\u00e4hrt wurde.<\/p>\n<h2><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Einleitung<\/span><\/h2>\n<p>&#8222;Jeder wahre Lehrer, jeder Arzt, jeder Therapeut, aber auch jeder Seelsorger kennt den eigent\u00fcmlichen Sprung, der sich in seiner Beziehung zu dem ihm aufgegebenen Menschen vollzieht in dem Augenblick, in dem er nicht anders kann, als sich dem anderen gegen\u00fcber selbst zu \u00f6ffnen und nun durch sein Amtskleid hindurch als der ganze Mensch hervortritt und so dem anderen als er selbst begegnet. Bei allen Gefahren, die damit verbunden sind &#8211; er wei\u00df und sp\u00fcrt es: Erst jetzt erreicht er den anderen wirklich von Person zu Person.&#8220;<br \/>\n(<em>Karlfried Graf D\u00fcrckheim, Psychotherapeut)<\/em><\/p>\n<p>Beziehungen haben wir in den vielf\u00e4ltigsten Formen von Geburt an, unser ganzes Leben lang. Zun\u00e4chst die Kind-Mutter Beziehung, dann die Beziehungen im engeren sozialen Rahmen der Familie, die Kind-Eltern Beziehung. W\u00e4hrend unserer Entwicklung bekommen wir auch eine Beziehung zu uns selbst. Diese ersten Beziehungserfahrungen in unserem Heranreifen bilden dann die Grundlage f\u00fcr das Entstehen weiterer Beziehungen zu anderen Menschen, die man generalisiert als soziale Beziehungen bezeichnen kann.<\/p>\n<p>Beziehungen sind sehr vielf\u00e4ltig und wandelbar, sie entstehen, zerbrechen und sind selten statisch. Wir beschreiben Beziehungen nach dem Grad ihrer Intimit\u00e4t, als freundschaftliche Beziehung oder als Liebesbeziehung, wobei es sehr viele Bezeichnungen respektive Um- oder Beschreibungen gibt wie Kameradschaft, Freundschaft, Partnerschaft und so weiter. An anderen Stellen wird auch der Rahmen von Beziehungen beschrieben, zum Beispiel formale Beziehungen, institutionelle Beziehungen und zwischenmenschliche Beziehungen. Auch k\u00f6nnen wir die Repr\u00e4sentanz von Beziehungen beschreiben.<\/p>\n<p>Beziehungen haben unbewusste, vorbewusste und auch bewusste Anteile, sie k\u00f6nnen positiv, aber auch negativ sein, meist sind aber sowohl positive, als auch negative Anteile in Beziehungen vorzufinden.<\/p>\n<p>Paul Watzlawik stellte in seinem Konzept der Kommunikation einmal den Merksatz auf \u201eMan kann nicht, nicht kommunizieren\u201c, mit etwas Wagemut kann man im Kontext von Beziehung die These \u201eMan kann nicht, keine Beziehung haben\u201c darauf aufbauen.<\/p>\n<p>Beziehung an sich ist ein sehr komplexes Themengebiet, das in seiner Gesamtheit schwer zu fassen ist. Neurobiologen versuchen mit bildgebenden Techniken die Gehirnaktivit\u00e4ten sichtbar zu machen und somit das Beziehungsgeschehen zu erforschen. Wirtschaftswissenschaftler haben einen eigenen beziehungswissenschaftlichen Ansatz und was besonders auff\u00e4llig scheint, in den Sozialwissenschaften hat Beziehung zwar ein wichtiges Wesen f\u00fcr die Handlungspraxis besonders in den sozialen Handlungsfeldern aber es gibt relativ wenig Konkretes was sich mit Beziehung an sich auseinandersetzt. Es wird f\u00fcr das sozialp\u00e4dagogische Arbeiten zwar eine Beziehungskompetenz als wichtig beschrieben und gefordert, allerdings wird nicht beschrieben wie diese Beziehungskompetenz konkret aussieht, geschweige denn zu erwerben ist. Sie wird lediglich als Summe unserer pers\u00f6nlichen Kompetenzen und als Bindeglied zu unserer Fachkompetenz dargestellt.(vgl. Stimmer, 2006, S.225, f.)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-102\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/stinner.jpg\" alt=\"\" width=\"642\" height=\"287\" \/><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">(Abb.: Stimmer, 2006, S.226)<\/span><\/p>\n<p>Verf\u00fcgbare Literatur \u00fcber Beziehung besch\u00e4ftigt sich regelm\u00e4\u00dfig mit den psychologischen und sozialpsychologischen Aspekten von Beziehung, allerdings \u00fcberwiegend im Feld der Alltagsbeziehungen. Insgesamt gibt es aber auch Stimmen aus diesem Feld, die eine Beziehungswissenschaft als eigenst\u00e4ndige Disziplin einfordern. (Szczyrba, 2003, S. 9 ff.)<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf wird sich diese Arbeit genau mit Beziehungen in diesen Handlungsfeldern besch\u00e4ftigen. Zur Abgrenzung von unseren Alltagsbeziehungen sollen sie hier als \u201eprofessionelle Beziehungen\u201c verstanden werden. Professionell in diesem Zusammenhang hei\u00dft, dass wir aus dem Gesichtspunkt unserer fachlichen und auch pers\u00f6nlichen Kompetenz mit unseren Klienten in Beziehung zu treten und die M\u00f6glichkeit haben das Beziehungsgeschehen zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Ein Maurer muss das Mauern erlernen bevor er ein Haus baut, genauso wie ein Fris\u00f6r das Haareschneiden erst an einem Kunstkopf lernen muss bevor er einem Kunden die Haare schneiden darf. Im Erwerbsleben nennt man das Kompetenzerwerb durch Ausbildung. Genauso sollte es im sozialen Feld auch verstanden werden, die F\u00e4higkeit professionell eine Beziehung einzugehen und diese dann noch positiv zu beeinflussen ist ebenso eine Kompetenz die erworben werden muss. (vgl. International Association of Social Educators, 2005, S. 7 ff.)<\/p>\n<p>Hier setzt die vorliegende Arbeit an und sich mit der Thematik \u201eEntstehen und Wirken von Beziehung nach Rogers und Moor\u201c auseinander. \u00dcber eine inhaltliche Pr\u00e4zisierung des Begriffs der Beziehung wird zun\u00e4chst erschlossen was Beziehung \u00fcberhaupt ist, um dann den Blick auf das eigentliche Geschehen zu richten.<\/p>\n<p>An den Konzepten von Rogers und Moor soll aufgezeigt werden, dass es tats\u00e4chlich so etwas wie eine Beziehungskompetenz gibt. Im Verlauf werden einige kleine Exkurse das Konzept der Provokation Frank Farrelys einbeziehen da dieser eine<\/p>\n<p>Desweiteren werden diese Konzepte in Beobachtungen und Gespr\u00e4chssequenzen integriert um aufzuzeigen, welches Verhalten des Professionellen wie wirkt. Im Fazit soll diese Arbeit zeigen wie man sich eine solche Kompetenz zu Nutzen machen kann.<\/p>\n<p>Um nicht damit zu verwirren wer denn nun gemeint ist, werde ich in dieser Arbeit von Professionellen und Klienten sprechen, auch wenn in den verschiedenen Feldern wie Beratung, P\u00e4dagogik und so weiter sehr different Bezeichnungen f\u00fcr die gemeinten Akteure \u00fcblich sind. Wenn in dieser Arbeit die Akteure \u00fcberwiegend in der m\u00e4nnlichen Form benannt werden, so dient dieses dem einfacheren Verst\u00e4ndnis, der Blick soll mehr auf das Geschehen gerichtet sein denn auf die Personen.<\/p>\n<h3><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Wahrnehmungen aus dem Arbeitsalltag als Motivation<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>H\u00e4ufig ist es in meinem Leben schon passiert, dass ich einfach so, sozusagen auf offener Stra\u00dfe von einer Person angesprochen wurde und diese Person, die mich aus vielen anderen Menschen ausw\u00e4hlte, mich ansprach, mir \u00a0ihr Leid klagte oder mir von einem f\u00fcr sie wichtigen Ereignis erz\u00e4hlte. Aber auch im Kontext von Peergroups zu denen ich geh\u00f6rte oder in meinem damaligen Arbeitsfeld als Handwerker passierte mir \u00e4hnliches.<\/p>\n<p>In meinem jetzigen Arbeitsfeld, in verschiedenen Bereichen der Erwachsenenbildung die als Ma\u00dfnahmen bezeichnet werden, kann ich dieses Ph\u00e4nomen ebenso wahrnehmen. In jeder dieser Ma\u00dfnahmen, sei es Berufsvorbereitung, Berufsausbildung oder eine Trainingsma\u00dfnahme, sind die Zust\u00e4ndigkeiten geregelt. So steht in jeder dieser Ma\u00dfnahmen den jeweiligen Teilnehmern eine Sozialp\u00e4dagogin oder ein Sozialp\u00e4dagoge als Ansprechpartner zur Verf\u00fcgung. Sie unterst\u00fctzen bei der L\u00f6sung pers\u00f6nlicher und lebenspraktischer Fragen und Probleme zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig und unabh\u00e4ngig von der mir zugewiesenen Rolle als Ausbilder, Bildungsbegleiter oder Dozent werde ich, ungeachtet meiner Zust\u00e4ndigkeit, auch hier von Ma\u00dfnahmeteilnehmern angesprochen. Sie w\u00e4hlen mich als ihren Ansprechpartner f\u00fcr die Unterst\u00fctzung bei entstehenden und auch bereits existenten psychosozialen Problemen.<\/p>\n<p>Sehr oft habe ich mir die Frage gestellt \u2013 Warum hat diese Person mich ausgew\u00e4hlt? \u2013 kann sie f\u00fcr mich aber nicht beantworten weil ich in den entsprechenden Situationen kein konkret bewusstes Anderssein an mir feststellen konnte.<\/p>\n<h3><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Begriffskl\u00e4rung, was ist Beziehung?<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Schon fr\u00fch in meinem Sozialp\u00e4dagogikstudium habe ich mich mit der Bedeutung von Beziehung besch\u00e4ftigt. In einem philosophischen Kontext f\u00fchrt die Beantwortung der Frage: Was ist Beziehung? \u2013 zu einer sehr diffusen Antwort: Sich auf jemanden beziehen, einen Bezug zu jemanden haben, etwas von jemanden beziehen. \u2013 die an dieser Stelle aber kaum Licht ins Dunkel bringt.<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf werde ich dann mit einem zun\u00e4chst sehr einfach klingenden Leitsatz konfrontiert, \u201eBeratung ist Interaktion und Interaktion ist Beziehung\u201c.<\/p>\n<p>Zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt in diesem Seminar gibt es dann noch einen Versuch Beziehung mit der Beobachtung eines Geschehens, einer Interaktion zu beschreiben. In einem Bahnwaggon sitzen sich jeweils am Ende des Waggons zwei Personen gegen\u00fcber. Person A richtet ihren Blick auf Person B, Person B blickt auf, die Blicke begegnen sich, da schwingt etwas, das ist Beziehung.<\/p>\n<p>Dieser Erkl\u00e4rungsversuch von Beziehung wirkt sehr mystisch und esoterisch, wie bittesch\u00f6n kann man denn diese Schwingungen sichtbar machen?<\/p>\n<p>Die wirkliche Bedeutungstiefe dieses Leitsatzes und des nachfolgenden Erkl\u00e4rungsversuches werden mir erst sp\u00e4ter bewusst und sich im Verlauf dieser Arbeit entkleiden und sichtbar werden.<\/p>\n<p>Fast \u00fcberall wo ich Menschen nach ihrem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Beziehung gefragt habe, erwecken diese den Anschein ein konkretes Wissen dar\u00fcber zu haben. Beziehung wird in den meisten F\u00e4llen mit Partnerschaft, Liebe, Intimit\u00e4t in Verbindung gebracht, Beziehung wird h\u00e4ufig sogar etwas Altruistisches zugeschrieben. Dar\u00fcber hinaus habe ich bei meinen Recherchen im Internet festgestellt, dass f\u00fcr den Begriff der Beziehung im Alltagsverstehen h\u00e4ufig das Synonym <em>Verh\u00e4ltnis<\/em> genutzt wird.<\/p>\n<p>In einem philosophischen Kontext und aus meinem eigenen Verstehen heraus macht es durchaus Sinn sich zun\u00e4chst mit der Begrifflichkeit des Themas zu besch\u00e4ftigen. In meinen ersten Recherchen zu dem Begriff Beziehung stelle ich fest, dass der Begriff der Beziehung sprachlich in einer gro\u00dfen Breite verwendet wird. Zur Pr\u00e4zisierung und wohl auch f\u00fcr die Wiedergabe einer gewissen Bedeutungstiefe werden f\u00fcr den Begriff der Beziehung in 23 Synonymgruppen 203 Synonyme verwendet. (vergl. Woxikon 2012)<\/p>\n<h3><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Etymologie des Wortes Beziehung<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Etymologisch betrachtet, stammt Beziehung von dem Verb <em>ziehen<\/em> ab. Das Verb <em>ziehen<\/em> stammt vom althochdeutschen <em>ziohan <\/em>aus dem achten Jahrhundert\u00a0ab, dem das\u00a0indo-europ\u00e4ische <em>deuk<\/em> zugrunde liegt. Es meint so viel, wie etwas mit Kraft zu sich her zu bewegen, oder auch etwas zu ganzer L\u00e4nge auszudehnen, oder sich fortzubewegen. In der Verbindung mit einem Substantiv dient das Wort <em>ziehen<\/em> zur Umschreibung eines Verbalbegriffs, zum Beispiel<em>: eine Lehre ziehen \u2013 lernen<\/em>.<\/p>\n<p>Um einen \u00dcbergang zum Begriff <em>Beziehung<\/em> zu schaffen macht es durchaus Sinn, das Verb <em>beziehen,<\/em> welches vom althochdeutschen Begriff <em>beziohan <\/em>aus dem achten Jahrhundert\u00a0 abstammt, mit einzubeziehen<em>. Beziehen <\/em>hat im althochdeutschen und im mittelhochdeutschen unter anderem die Bedeutung \u201eregelm\u00e4\u00dfig erhalten\u201c, \u201ezusammenf\u00fcgen\u201c, \u201ean sich nehmen\u201c, \u201e zu etwas kommen\u201c. (vergl. DWDS 2012)<\/p>\n<p>\u201e<em>Beziehung<\/em> f. \u2018Verbindung, innerer Zusammenhang, wechselseitiges Verh\u00e4ltnis, Bezug(nahme), Anspielung, Hinsicht\u2019 (17. Jh.);\u201c. (DWDS 2012)<\/p>\n<p>Mit dem Bewusstsein das der deutsche Begriff <em>Beziehung<\/em> an sich relativ jung ist und dem Wissen \u00fcber die begriffliche Herleitung von <em>Beziehung<\/em> muss man zun\u00e4chst die Annahme treffen, dass der Begriff in seiner Bedeutung nicht die Tiefe beschreibt, die <em>Beziehung<\/em> im eigentlichen Sinn meint. Verschiedene \u00dcbersetzungen im europ\u00e4ischen Sprachraum wie die franz\u00f6sische, italienische und spanische \u00dcbersetzung finden ihren Ursprung in dem lateinischen <em>relatio<\/em>.<\/p>\n<p>Einzig die englische \u00dcbersetzung <em>relationship<\/em> scheint die notwendige Bedeutungstiefe wiederzugeben.<\/p>\n<p>Im Englischen <em>Relationship<\/em> abgeleitet vom lateinischen <em>relatio,<\/em> <em>das Zur\u00fccktragen<\/em> und dem englischen <em>ship<\/em> in der sinngem\u00e4\u00dfen englischen Bedeutung auch <em>skip<\/em> oder <em>create<\/em>, abgeleitet vom altgermanischen <em>skapaz<\/em>, bedeutet es so viel, wie etwas schaffen, oder erschaffen. Relationship in seiner Bedeutung hei\u00dft also so viel, wie <em>eine Relation herstellen<\/em>, genauer <em>eine Relation schaffen<\/em> oder eine <em>Relation erschaffen<\/em>. (vergl. myEtymology.com)<\/p>\n<p>Wendet man den englischen Begriff <em>relationship<\/em> also bedeutungsgem\u00e4\u00df f\u00fcr den Begriff der Beziehung an, erschlie\u00dft sich, dass es sich nicht einfach um einen Zustand handelt sondern vielmehr eine Interaktion beschrieben wird, die das Entstehen und Aufrechterhalten einer Beziehung, aber auch eine Interdependenz \u00a0impliziert, was sich f\u00fcr den Verlauf der weiteren Arbeit als sehr aufschlussreich abbilden wird.<\/p>\n<p>Im Englischen wird f\u00fcr die hier gemeinten Beziehungen zwischen Menschen noch weiter pr\u00e4zisiert der Begriff <em>interpersonal relationship<\/em>\u00a0verwendet. (vergl. Wikipedia )<\/p>\n<p>Auch wenn der Begriff <em>relationship,<\/em> zumindest in betriebswirtschaftlichen Zusammenh\u00e4ngen, eine breite Anwendung findet, wird im weiteren Verlauf der deutschen Sprache verpflichtet mit dem Begriff <em>Beziehung<\/em> gearbeitet.<\/p>\n<h3><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Zusammenfassende Betrachtung<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Abschlie\u00dfend l\u00e4sst sich feststellen, dass Beziehung in der deutschen Sprache nicht mit dem einfachen Begriff der Beziehung zu erfassen ist. Vielmehr muss der Begriff der Beziehung um seinen Zusammenhang und seine Intensit\u00e4t erg\u00e4nzt werden muss. Als plausibles Beispiel bietet sich hier die doch recht gro\u00dfe Differenz zwischen einer Liebesbeziehung und einer kameradschaftlichen Beziehung an.<\/p>\n<p>Beziehung beschreibt auch nicht einen Zustand \u2013 <em>ich habe eine Beziehung zu jemanden<\/em> \u2013 sondern, wie bereits festgestellt, eine Interaktion, wie das im Alltag h\u00e4ufig verwendete Synonym <em>Verh\u00e4ltnis<\/em> plausibel st\u00fctzt. Beziehung beschreibt demnach also ein Verhalten einer Person welches basierend auf eben diesem Verhalten ein Verhalten der anderen Person ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Beziehung ist ein interaktionales und interdependentes Geschehen wenn nicht sogar einen Prozess, gibt allerdings keine Auskunft \u00fcber die G\u00fcte und den Inhalt dieses Geschehens.<\/p>\n<p>Beziehung hat wie etymologisch bereits herausgearbeitet \u201edas Zur\u00fccktragen erschaffen\u201c immer ein bewusstes oder unbewusstes Motiv, sie ist erlernbar, beobachtbar und reflektierbar.<\/p>\n<h2><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Was passiert denn da? Ich bin doch nur ich selbst<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Wie bereits in der Einleitung beschrieben ist nicht nur im Alltag, sondern auch im professionellen Rahmen ein Ph\u00e4nomen zu beobachten. Ich werde von einer Person angesprochen und kann mir nicht erkl\u00e4ren warum diese Person mich ausgew\u00e4hlt hat. Es hat den Anschein, dass da etwas ist was die Entscheidung der anderen Person beeinflusst hat. Wie in dem Erkl\u00e4rungsversuch mit dem Bahnwaggon entsteht in einem Augenblick m\u00f6glicher Weise so etwas wie ein Moment der Begegnung, es schwingt etwas, das ist die Initiale f\u00fcr das, was daraus werden kann. Auch wenn es klingt wie ein Mysterium, will ich versuchen es zu belegen. Zu diesem Zweck habe ich im Nachhinein einige der Personen, die an mich herangetreten sind, zu genau diesem wohl entscheidenden Augenblick befragt.<\/p>\n<p>Um diesem Motiv, oder besser diesem ersten Impuls auf die Spur zu kommen, bin ich in der Vorbereitung dieser Arbeit an einige dieser Personen herangetreten und habe ihnen folgende Frage gestellt.<\/p>\n<p><em>\u00a0\u201eVersuche dich an den Augenblick zu erinnern, an dem unser erster Kontakt zustande kam. Was ist da gewesen, was hat Dich zu diesem Zeitpunkt dazu bewogen mich als Deinen Ansprechpartner auszuw\u00e4hlen?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Bei der Fragestellung geht es an dieser Stelle weniger um den Inhalt der Beziehung, sondern im Wesen zun\u00e4chst um die ersten Momente des Zustandekommens dieser Beziehung.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt; color: #000000;\"><em><strong>Sabine:\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0 Das war so ein Gef\u00fchl \u2026 (Nachdenken). Ich wei\u00df es gar nicht so genau, mir ging es nicht so gut, ich hatte ziemliche Probleme Zuhause bei denen mir keiner helfen konnte. \u00c4hm, ich hatte Sie schon ein paar Mal gesehen und \u2026 (Pause) \u2026 ich hatte das Gef\u00fchl das sie mir helfen k\u00f6nnen.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt; color: #000000;\"><em><strong>Ich: \u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Was war das denn f\u00fcr ein Gef\u00fchl, was war wohl der Ausl\u00f6ser f\u00fcr dieses Gef\u00fchl?<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt; color: #000000;\"><em><strong>Sabine:\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0 Sie wirkten so gechillt. Mhhh\u2026 (Pause), das war so ein Gef\u00fchl, als wenn Sie nichts aus der Bahn werfen k\u00f6nnte \u2026, da hab ich gedacht, dass Sie mir helfen k\u00f6nnen und Sie angesprochen. (Nachdenklich) Ich bin froh, dass ich das gemacht habe \u2026<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt; color: #000000;\"><em><strong>Nico:\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Irgendwie, \u2026 (Pause)\u2026 \u00a0Ha, \u2026 \u00a0jetzt wei\u00df ich\u2019s. \u00a0Alle waren nur am rumm\u00e4keln mit mir, ich war es leid. Das war so ein Moment in dem f\u00fchlte ich mich irgendwie angesprochen \u2026<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt; color: #000000;\"><em><strong>Ich:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Was glaubst Du denn, hat Dich angesprochen?<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt; color: #000000;\"><em><strong>Nico:\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ich hatte \u00b4ne Menge Mist gebaut, die waren ja schon fast am Durchdrehen und dann kamen Sie irgendwie dazu und sind ganz cool geblieben \u2026\u00a0 (Pause) \u00a0Da dachte ich, dem kann ich vertrauen\u2026 darum bin ich dann auch zu Ihnen gegangen.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt; color: #000000;\"><em>\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt; color: #000000;\"><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><em><strong>Melanie<\/strong>: Mhhhh \u2026 was soll ich sagen? (Nachdenklicher Blick) \u00a0Keine Ahnung \u2026 <\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt; color: #000000;\"><em><strong>Ich:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wenn ich mich richtig erinnere, kamst Du mit einem sehr pers\u00f6nlichen Problem zu mir.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt; color: #000000;\"><em><strong>Melanie:<\/strong> Ja genau (L\u00e4cheln) \u2026 <\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt; color: #000000;\"><em><strong>Ich:\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ich wei\u00df noch das du mir erz\u00e4hlt hast, dass Du noch nicht einmal mit Deiner Freundin im Detail dar\u00fcber gesprochen hast.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt; color: #000000;\"><em><strong>Melanie:<\/strong> (etwas verlegen) \u2026 Ich habe den anderen das nicht zugetraut, das die mich verstehen w\u00fcrden \u2026 (L\u00e4cheln) bei ihnen war das irgendwie anders und dann kam irgendwann der Moment wo ich sie allein erwischt habe (zeigt mit dem Daumen nach oben)<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt; color: #000000;\"><em>\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<h3><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Einblicke in biographisches<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Jeder sollte mit Sorgfalt erforschen, auf welchen Weg sein Herz ihn zieht, und diesen Weg dann mit all seiner Kraft verfolgen.<br \/>\n(<em>Alte chassidische Weisheit)<\/em><\/p>\n<p>Unsere Biographie, zumindest unsere berufliche Biographie spielt eine wesentliche Rolle f\u00fcr unser professionelles Handeln und Sein. Hier wird nun ein Einblick, wenn auch sehr komprimiert, in die Biographien von Carl Rogers, Paul Moor und Frank Farrely vorgenommen.<\/p>\n<p>Warum ein Blick in die Biographie?<\/p>\n<p>Wie vorangegangen schon beobachtet zeichnet sich hier m\u00f6glicherweise eine gewisse Kausalit\u00e4t ab. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Person des Professionellen etwas ausstrahlt, sei es nun bewusst, vermutlich aber unbewusst wahrnehmbar. Mit einem Blick in die eigene Biographie die einige Wegpunkte mit entscheidenden Ver\u00e4nderung aufweist, ist anzunehmen, dass nicht der vorgezeichnete, gradlinige Weg das ist was uns ausmacht. Vielmehr die Stationen an denen wir mit Zweifeln konfrontiert sind, uns die Frage nach dem Sinn stellen oder an denen wir gar Schwierigkeiten zu bew\u00e4ltigen haben, sind die Stationen in unserer Entwicklung, die in ihrer Summe unser Selbst und unsere Profession ausmachen.<\/p>\n<h4><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Carl Rogers<\/strong><\/span><\/h4>\n<p>Carl Roger ist der Begr\u00fcnder der \u201enicht direktiven Therapie\u201c die er sp\u00e4ter in \u201eklientenzentrierte Therapie\u201c umbenennt. Der klientenzentrierte Ansatz Rogers wird heute nicht nur therapeutisch genutzt, sondern erfreut sich in vielen Bereichen der Beratung und Gespr\u00e4chsf\u00fchrung gro\u00dfer Beliebtheit.<\/p>\n<p>Auf Einladung einer Universit\u00e4t h\u00e4lt Rogers vor einer Abschlussklasse einen Vortrag in dem er \u00fcber sich spricht und so einen Einblick in seine pers\u00f6nliche und fachliche Entwicklung gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Carl Rogers kommt als viertes von sechs Kindern zu Welt. Er w\u00e4chst in einem strengen und stark Werte orientierten Umfeld auf. Sein Vater, ein wohlhabender Gesch\u00e4ftsmann kauft eine Farm um seine inzwischen schon jugendlichen Kinder von den moralischen Gefahren des Stadtlebens fernzuhalten. Hier entwickelt Rogers im Wesentlichen zwei Interessen denen er wie er selber beschreibt mit wissenschaftlichem Eifer nachgeht. Er z\u00fcchtet Nachtfalter und macht Experimente mit Futtermitteln und lernt hier erstmals Methoden der Naturwissenschaft kennen. Rogers selber glaubt, dass seine sp\u00e4tere Arbeit hier die erste Pr\u00e4gung erfahren hat. Sein Studium beginnt Rogers im Bereich der Agrarwissenschaft, \u00e4ndert aber nach zwei Jahren sein Studienziel in Richtung der Theologie und wechselt vom Hauptfach Landwirtschaft zu Geschichte. W\u00e4hrend eines sechsmonatigen Asienaufenthaltes l\u00f6st er sich von den religi\u00f6sen Ansichten seines Elternhauses und gewinnt damit nach eigener Aussage seine Unabh\u00e4ngigkeit. In dieser Zeit verliebt Rogers sich auch in seine zuk\u00fcnftige Ehefrau die er schon lange kennt. Nach Abschluss seines Hochschulstudiums schreibt Rogers sich in ein theologisches Seminar ein um sich auf seine zuk\u00fcnftige Kirchenarbeit vorzubereiten. Hier besucht er ein Seminar in dem er sich im Wesentlichen mit einer Sinnfrage befasst und f\u00fcr sich feststellt, dass ihm hier die Freiheit zu einer eigenen Entwicklung fehlen wird. Aus einem grundlegenden Interesse was er in Vorlesungen \u00fcber Psychiatrie und Psychologie gewonnen hat, entscheidet er sich dazu die p\u00e4dagogische Hochschule zu besuchen und findet dort f\u00fcr das Fach p\u00e4dagogische Philosophie ein tiefes Interesse. Noch w\u00e4hrend seines Studiums bewirbt er sich am Teachers College auf eine Assistentenstelle an einem neu errichteten Institut f\u00fcr Erziehungsberatung an dem er erste Erfahrungen sammeln konnte. Nach Abschluss des Studiums und noch w\u00e4hrend seiner Dissertation findet Rogers eine Anstellung als Psychologe an der entwicklungspsychologischen Abteilung der Gesellschaft zur Verhinderung von Grausamkeiten an Kinder in Rochester. Im Verlauf seiner zw\u00f6lfj\u00e4hrigen T\u00e4tigkeit dort entwickelt er die ersten grundlegenden Thesen f\u00fcr sein zuk\u00fcnftiges Schaffen und damit auch den Grundstein f\u00fcr sein Konzept der klientenzentrierten Therapie. (vgl. Rogers, 2006, S.21 ff.)<\/p>\n<h4><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Paul Moor<\/strong><\/span><\/h4>\n<p>Im Unterschied\u00a0zu Rogers gibt es in den Ver\u00f6ffentlichungen von Paul Moor keine Aussagen \u00fcber seine eigene Biographie.<\/p>\n<p>Paul Moor gilt heute als Begr\u00fcnder der modernen Heilp\u00e4dagogik die er zun\u00e4chst als Sch\u00fcler Hanselmanns und sp\u00e4ter als sein Nachfolger vorangetrieben hat. Allerdings erntet er f\u00fcr sein wissenschaftliches Vorgehen schon Anfang der siebziger Jahre gro\u00dfe Kritik, Ulrich Bleidick leitet 1972 in seinem Buch \u201eP\u00e4dagogik der Behinderten\u201c \u00a0mit der generellen Aussage, dass Moors Arbeiten nicht den wissenschaftlichen Standards gen\u00fcgen eine\u00a0 Zeit der Diskreditierung von Paul Moor ein.<\/p>\n<p>Paul Moor kommt im Juli 1899 als erstes von f\u00fcnf Kindern in Basel zur Welt. Nach seinem Schulbesuch studiert er Astrologie an der Universit\u00e4t Basel und ist dort nach seinem Studium zwei Jahre als Assistent t\u00e4tig. 1923 geht Moor f\u00fcr ein Semester nach Hamburg und promoviert 1924 in Mathematik, Physik und Astrologie. Nach zwei Jahren T\u00e4tigkeit als Gymnasiallehrer nimmt er ein weiteres Studium\u00a0 in den F\u00e4chern Religionsgeschichte und Philosophie bei Paul H\u00e4berlin in Basel auf.\u00a0 Durch dieses Studium findet er Interesse an p\u00e4dagogischen Themen worauf H\u00e4berlin ihn auf Heinrich Hanselmann als ersten Professor f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik aufmerksam, bei dem Moor das heilp\u00e4dagogische Seminar besucht. Nach Abschluss des Seminars geht Moor mit seiner Frau nach Deutschland und \u00fcbernimmt dort die Leitung eines Heims f\u00fcr schwierige Kinder. Als 1931 das Heim wegen des aufkeimenden Faschismus geschlossen wird geht Moor in der Schweiz zur\u00fcck und leitet ein von Hanselmann gegr\u00fcndetes Heim f\u00fcr schwererziehbare Jugendliche. \u00a0Nach zwei Jahren der Heimleitung wird Moor 1933 wissenschaftlicher Assistent von Hanselmann und f\u00fchrt dort sein drittes Studium fort, 1935 promoviert er dann in den F\u00e4chern Philosophie und Heilp\u00e4dagogik mit dem Thema \u201eDie Verantwortung im Heilp\u00e4dagogischen Handeln\u201c und scheint nun im Heilp\u00e4dagogischen Seminar der Universit\u00e4t Z\u00fcrich auch seine Aufgabe gefunden zu haben. Im Jahr 1940 wird er zu Nachfolger Hanselmanns gew\u00e4hlt und \u00fcbernimmt das Rektorat des Heilp\u00e4dagogischen Seminars. Nachdem Paul Moor sich 1941 f\u00fcr das Fach Heilp\u00e4dagogik habilitiert wird \u00a0er 1951 f\u00fcr die Universit\u00e4tsprofessur als Nachfolger Hanselmanns an die Universit\u00e4t Z\u00fcrich berufen wo er dann bis zu seinem Ruhestand wirkt. (vgl. Haeberlin, 2005, S. 254)<\/p>\n<h4><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>\u00a0<\/strong><strong>Frank Farrely<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Auch wenn sich diese Arbeit im Kern auf die Beziehungsaspekte der Methoden\u00a0 Carl Rogers und Paul Moor bezieht, soll hier ein kleiner Exkurs einen Einblick in die Entwicklung Frank Farrelys und daraus resultierend auch in die Entwicklung seiner\u00a0 Methode der Provokation stattfinden. Ebenso wie bei Paul Moor gibt es \u00fcber Farrely keine konkreten biographischen Daten, allerdings beschreibt er in seinem Buch \u201eProvokative Therapie\u201c sehr anschaulich den Weg zu seiner Methode der Provokativen Therapie. Farrelys Methode wird heute \u00e4hnlich wie Rogers Klientenzentriertes Modell nicht nur therapeutisch angewendet sondern findet auch im Bereich der Gespr\u00e4chsf\u00fchrung und in der Beratung viele Anh\u00e4nger.<\/p>\n<p>Frank Farrelly beginnt die Methode der Provokation schon w\u00e4hrend seiner Studienzeit 1956 zu entwickeln. Farrellys Ausbildung orientiert sich an der Lehre Freuds, die Farrelly selbst als \u201eFreudsches Evangelium\u201c bezeichnet. Mit dieser Grundlage erkennt er in einer Phase des klinischen Trainings seine pers\u00f6nlichen Grenzen. Farrelly hat in der Arbeit mit seinen Klienten nicht die Erfolge die er sich erhofft hat, sein Supervisor warnt ihn sogar davor, seine Gegen\u00fcbertragungsgef\u00fchle Oberhand gewinnen zu lassen.<\/p>\n<p>Kommilitonen motivieren Farrelly dazu Carl Rogers Buch\u00a0 \u201eKlientenzen-trierte Therapie\u201c zu lesen, die er als ihre Bibel bezeichnet. Zun\u00e4chst ist er wenig beeindruckt und h\u00e4lt Rogers f\u00fcr \u201efurchtbar oberfl\u00e4chlich und weit entfernt vom strengen Freudschen Evangelium\u201c (Farrelly, 1986, S.8) und mit wenig Tiefe. Erst als er sich mit verschiedenen Gespr\u00e4chsprotokollen auseinandersetzt, findet er Begeisterung und beschlie\u00dft f\u00fcr sich diese Methode anzuwenden. (vgl. Farrely, 1986, S. 4 ff.)<\/p>\n<p>Nach einem ersten Therapiegespr\u00e4ch ist er begeistert dar\u00fcber, dass er zum ersten Mal versteht wie die Dinge vom Standpunkt seiner Klientin aus aussehen. \u201eEs war eine sehr erschreckende, gleichzeitig aber auch ermunternde Erfahrung, in die Welt eines anderen Menschen einzutreten, in welcher H\u00f6lle oder \u201eEcke des Universums\u201c sie auch immer wohnte [&#8230;], und Menschen, Pl\u00e4tze, Dinge, Gef\u00fchle und Verhaltensweisen aus ihrem Blickwinkel zu sehen. Hierdurch wurde ihr Verhalten sinnvoll.\u201c (a.a.O, S.9)<\/p>\n<p>Ab 1959 macht Farrelly zun\u00e4chst unbeabsichtigt erste Erfahrungen mit der Provokation. In einem Gespr\u00e4ch mit einem anderen Sozialarbeiter \u00e4u\u00dfert Farrelly, das seine \u201eHerausplatzer\u201c und\u00a0 die \u00c4u\u00dferung seiner \u201eGegen\u00fcbertragungsgef\u00fchle\u201c oft hilfreich f\u00fcr seine Klienten seien.<\/p>\n<p>Als er 1961-1963 in einem Projekt von Rogers mitarbeitet, bemerkt er, \u201edass die passivere, mehr aufnehmende Rolle des Therapeuten\u201c (a.a.O, S.26) nichts f\u00fcr ihn ist. Seine ersten Erfahrungen mit der Provokation bringen Farrelly dazu, seine eigenen Reaktionen in eine Behandlungsform einzubringen, die er als emotionale Ehrlichkeit bezeichnet. Er stellt fest, dass seine Ehrlichkeit so etwas wie Unglauben und seine L\u00fcgen etwas wie Glauben bei seinen Klienten ausl\u00f6st. Als er sich um 1964 mit einer Praxis niederl\u00e4sst macht er sich gro\u00dfe Sorgen um m\u00f6gliche Prozesse die ihm Klienten androhen k\u00f6nnten, dazu ist es allerdings nie gekommen.<\/p>\n<p>1966 wird er von seinem Kollegen Randy Parker dazu motiviert seiner Therapieform einen Namen zu geben. Verschiedene Namen wie \u201eProtesttherapie\u201c, \u201eNecktherapie\u201c, \u201eSchmutztherapie\u201c, \u201eS\u00fcndtherapie\u201c stehen zur Debatte, bei einem weiteren Vorschlag \u201eprovokative Therapie\u201c macht Farrelly sich zun\u00e4chst Sorgen, dass dieser Name mit Sex, oder sexueller Provokation in einen Kontext gebracht werden k\u00f6nne, wendet ihn aber sp\u00e4ter f\u00fcr seine Methode an. (vgl. Farrely, 1986, S. 14 ff.)<\/p>\n<h3><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Zusammenfassende Betrachtung<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Ein Blick in die drei vorangef\u00fchrten Biographien l\u00e4sst erahnen, dass da tats\u00e4chlich etwas sein muss. Alle drei Entwicklungen, trotz unterschiedlicher Ausrichtung, weisen so etwas wie Marker auf. Wegpunkte die zu bewussten Ver\u00e4nderungen des eigenen Handelns gef\u00fchrt haben. Durch die Reflexion des Selbst, eigener Kritik am bisherigen und vor allen Dingen Erfahrung werden diese Ver\u00e4nderungen ausgel\u00f6st und f\u00fchren zu einer Entwicklung unseres Selbst. (vgl. Rogers, 2006, S.34 ff.)<\/p>\n<p>Dieses Selbst, das hei\u00dft das was wir und dadurch wie wir sind, ist das was essentiell nach au\u00dfen wirkt. Je mehr Bewusstsein wir f\u00fcr unser Selbst haben, so selbstbewusster wir sind, um so mehr ist f\u00fcr unsere Umwelt davon wahrnehmbar. Das von dem Anderen wahrnehmbare wird es dann wohl auch sein was diesen ersten Impuls f\u00fcr die Kontaktaufnahme ausl\u00f6st. Der Professionelle hat da etwas, das Selbstbewusstsein, das nach au\u00dfen wirkt und beim Klienten Begehrlichkeiten weckt. Auch wenn die Fragestellung nur an eine kleine Gruppe von Klienten gerichtet war, kann man zu der \u00dcberzeugung kommen, dass dieses Geschehen nicht nur ph\u00e4nomenologisch darstellbar ist, sondern auch empirisch nachweisbar sein kann.<\/p>\n<h2><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Das Selbst als Grundlage f\u00fcr das Entstehen von Beziehung<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Wer sich selbst recht kennt, kann sehr bald alle anderen Menschen kennenlernen.<em> (<\/em><em>Georg Christoph Lichtenberg)<\/em><\/p>\n<p>Wie der Blick in die Biographien und die Antworten auf die Fragestellung schon erahnen l\u00e4sst spielt das Selbst des Professionellen eine wesentliche Rolle f\u00fcr das Entstehen einer Beziehung. Aber auch f\u00fcr das weiterentwickeln, das Wachstum dieses gerade aufkeimenden Pfl\u00e4nzchens \u00a0\u201eBeziehung\u201c spielt das Selbst des Professionellen eine wesentliche Rolle. Grunds\u00e4tzlich geht es hier nicht um die Beziehung ihrer selbst willen, sondern vielmehr um etwas, was sich darin entwickeln und fruchtbar sein soll. Professionelle Beziehungsarbeit braucht eine Kompetenz die wir nicht einfach nach einem Lehrbuch lernen k\u00f6nnen und dann an und mit unserem Klienten anwenden. Vielmehr handelt es sich um eine Kompetenz die wir sein m\u00fcssen. Denn nicht das was wir tun spielt die wesentliche Rolle, sondern vielmehr das was wir und wie wir sind. Auch wenn im Bezug auf alle drei Konzepte eine sehr differierende Sprache verwendet wird, kann man es wagen alle drei Modelle der Entwicklung des Selbst mit dem Begriff der Spiritualit\u00e4t in Einklang zu bringen. Spiritualit\u00e4t in diesem Sinn meint eine bewusste, reflektierte an Sinn und Werten ausgerichtete bewusste Lebensf\u00fchrung. Wir Selbst sind h\u00e4ufig das einzige was wir unseren Klienten anbieten k\u00f6nnen. Unser Selbst ist dann die einzige Ressource die wir unmittelbar neben eventuell vorhandenen fachlichen Kompetenzen dem Klienten zum Angebot machen k\u00f6nnen. (vgl. Wolf, 2001, S. 4-9)<\/p>\n<h3><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Das reife Selbst bei Carl Rogers<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Rogers spricht in diesen Zusammenhang von einem reifen Selbst, oder einer \u201epsychisch reifen Pers\u00f6nlichkeit\u201c.(Rogers, 2006 ,S.70) F\u00fcr die Beschreibung der Entwicklung des Selbst nutzt er das Konzept der Selbstaktualisierung. Zun\u00e4chst einmal ist davon auszugehen, dass ein gesunder Organismus jede Information die er bekommt f\u00fcr seine Entwicklung nutzt. Der Erfahrung r\u00e4umt er f\u00fcr die Entwicklung den h\u00f6chsten Wert ein, er sagt mit jedem Klienten hat er die M\u00f6glichkeit Erfahrung zu sammeln und sich zu entwickeln. Das \u00d6ffnen sich selbst gegen\u00fcber und das wirken lassen von innen m\u00f6glichst unabh\u00e4ngig von \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen. (vgl. Rogers , 2006 , S.31 ff.) Hier zeigt sich eine eindeutige N\u00e4he zu dem spirituellen Konstrukt aus der Einleitung des Kapitels.<\/p>\n<h3><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Der innere Halt bei Paul Moor<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Das Wesen des Selbst lebt bei Moor in inneren Halt. Moor beschreibt in seinem Konzept den inneren Halt anhand von drei Komponenten, das Wollen, das K\u00f6nnen und die Empf\u00e4nglichkeit. Der innere Halt entsteht durch das Zusammenspiel dieser drei Komponenten. Die Empf\u00e4nglichkeit, das Verhei\u00dfene steht hier f\u00fcr das Erkennen des \u201eAufgegebenen\u201c f\u00fcr das den inneren Widerstand \u00fcberwindende Annehmen von Lebensinhalten. Das Wollen, das Aufgegebene als eine Bereitschaft aus einer inneren Erfahrung heraus zu reifen und zu lernen. Und das K\u00f6nnen, das Gegebene als Lebenstechnik wobei er hier auch auf einen Aspekt der zweckm\u00e4\u00dfigen Gewohnheiten verweist. Alle drei entwickelten Komponenten in Ihrer Summe machen bei Moor den Ma\u00dfstab f\u00fcr den inneren Halt aus. \u00dcbertragen in unsere moderne Sprache stellt der innere Halt in seiner Auspr\u00e4gung das Bewusstsein f\u00fcr unser Selbst dar. (vgl. Moor, 1960, S. 229 ff.)<\/p>\n<h3><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Reflexion und Erfahrung bei Frank Farrely <\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Bei Farelly k\u00f6nnen wir es aus der Beschreibung seiner Biographie herauslesen. Farrely hat an jedem Wegpunkt seines beruflichen Handelns das Bisherige reflektiert und aus den daraus resultierenden Erkenntnissen seine Richtungs\u00e4nderung vorgenommen. Damit kann man vollst\u00e4ndig an sein Konzept der Provokativen Therapie ankn\u00fcpfen. Er beschreibt dort zwei wesentliche Grundannahmen.<\/p>\n<p>Der provokative Therapeut nimmt den Standpunkt ein, dass Menschen f\u00fcr ihr Handeln und Denken verantwortlich zu machen sind. Es wird ihnen abgesprochen ein \u201eblindes, hilfloses, v\u00f6llig festgelegtes Opfer eines Unbewussten\u201c (Farrely, 1987, S.51) zu sein.(vgl. Farrely, 1987, S. 50 f.) F\u00fcr Menschen gibt es viele Wege sich anzupassen respektive sich zu ver\u00e4ndern. In diesem Kontext ist es eine wichtige Methode ihn vor eine Herausforderung zu stellen der er nicht ausweichen kann. In diesem Sinn ist es die Aufgabe des Therapeuten ihn gen\u00fcgend herauszufordern, dazu zu provozieren neue Verhaltensmuster zu benutzen. (vgl. Farrely, 1987, S. 46 f.)<\/p>\n<p>Genau diese Grundannahmen st\u00fctzen und erkl\u00e4ren diese Ver\u00e4nderungen die durch Reflexion, Erkenntnis- und Erfahrungsgewinn bei Farelly ausgel\u00f6st wurden.<\/p>\n<h3><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Abschlie\u00dfende Betrachtung <\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Abschlie\u00dfend kann man folgende These aufstellen. Das Selbst und vor allen Dingen das Bewusstsein f\u00fcr das Selbst, das Anerkennen des Selbst, die F\u00e4higkeit sich hinein zu horchen und daraus f\u00fcr eine weitere eigene Entwicklung des Selbst zu sch\u00f6pfen. Die sich daraus entwickelnde Einstellung zu sich selbst, die Einstellung beziehungsweise die daraus resultierenden Werte auch Offenheit und Erfahrungszuwachs sind wesentliche Indikatoren f\u00fcr die Entwicklung des Selbst. Ein entwickeltes Selbst bietet je nach Einstellung die wesentliche Grundlage f\u00fcr professionelle Beziehungen.<\/p>\n<h2><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Eine Frage der Haltung<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Man sagt, dass sich Menschen in Beziehungen erschaffen, dass sie miteinander aushandeln, wer genau sie sind. Was wir \u00fcber uns wissen, ist im Wesentlichen das, was uns andere wie ein Spiegelbild vorgehalten und was wir daraufhin verinnerlicht haben.<br \/>\n<em>(Herbert M\u00fcck, Facharzt f\u00fcr Psychosomatische Medizin und Psychotherapie)<\/em><\/p>\n<p>Eigentlich m\u00fcssten wir aus professioneller Sichtweise dieses Zitat umdrehen. Als professionelle sind wir es, die dem Klienten den Spiegel vorhalten um ihm zu zeigen wer er sein kann. Aber es w\u00e4re Falsch die Aussage aus dem Zitat als unrichtig darzustellen, denn unser Klient h\u00e4lt auch uns einen Spiegel vor, der uns zeigt wer wir sind.<\/p>\n<p>Rogers zeigt im Wesentlichen vier Komponenten f\u00fcr eine gelingende Arbeit im Sinne seines Konzepts der klientenzentrierten Therapie auf.<\/p>\n<p>Kongruenz, die \u00dcbereinstimmung mit sich selbst, das Echt sein ohne etwas hinter einer Fassade zu verbergen. Empathie, das Einf\u00fchlen k\u00f6nnen in den Klienten, das betreten seiner inneren Welt um ihn zu verstehen. Die Wertsch\u00e4tzung, das warmherzige Umsorgen des Klienten. Und das bedingungslose Akzeptieren des Klienten, ihn so anzunehmen wie er ist. (vgl. Rogers, 2007, S. 213 ff.)<\/p>\n<p>Moor hat in seinem heilp\u00e4dagogischen Konzept drei Regeln f\u00fcr eine heilp\u00e4dagogische Haltung und das heilp\u00e4dagogische Handeln aufgestellt.<\/p>\n<p>\u201e1. Wir m\u00fcssen das Kind verstehen bevor wir es erziehen.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Wo immer ein Kind versagt, haben wir nicht nur zu fragen: Was tut man dagegen? \u2013 P\u00e4dagogisch wichtiger ist die Frage: Was tut man daf\u00fcr? \u2026 n\u00e4mlich f\u00fcr das, was werden sollte, soweit es werden kann.<\/li>\n<li>Wir haben nie nur das entwicklungsgehemmt Kind als solches zu erziehen, sondern immer auch seine Umgebung.\u201c (Moor, 1970, S. 259)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Da Moor sich mit seiner Arbeit auf das heilp\u00e4dagogische ausgerichtet hat m\u00fcssen wir an dieser Stelle die drei Leits\u00e4tze f\u00fcr unser Vorhaben etwas modifizieren. Satz ein ist konform mit der Aussage Rogers in der empathischen Komponente, wir m\u00fcssen einf\u00fchlend in die Welt des Klienten eintreten um ihn zu verstehen. Auch Satz zwei ist auf Rogers Konzept \u00fcbertragbar. Es geht nie darum ein Problem zu beseitigen sondern vielmehr um den Aspekt der Entwicklung des Klienten hin zu einer L\u00f6sungsm\u00f6glichkeit. Auch Satz drei l\u00e4sst sich auf Rogers Konzept \u00fcbertragen. Wir k\u00f6nnen den Klienten nicht einfach nur beraten, wir sind Teil de Prozesses und m\u00fcssen uns mit ihm entwickeln.<\/p>\n<h2><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Der Fall Sabine<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Sabine, eine neunzehn Jahre junge Frau. Gro\u00df und schlank, fast ein wenig schlaksig manchmal mit einer wilden M\u00e4hne. Dadurch, dass sie Teilnehmerin in einer Berufsvorbereitenden Bildungsma\u00dfnahme ist und ich in einer anderen Ma\u00dfnahme des Tr\u00e4gers t\u00e4tig bin, habe ich sie \u00f6fter schon mal gesehen. Meist sa\u00df sie dann zusammengezogen mit gesenktem Blick auf einer Bank im Pausenbereich und war am Rauchen. Was mir auff\u00e4llig erschien war, das sie meist allein dasa\u00df w\u00e4hrend sich die anderen jungen Menschen gruppierten und sehr rege miteinander redeten. Auf eine gewisser Art und Weise macht mich das neugierig darauf ob mit dieser jungen Frau wohl etwas nicht in Ordnung ist. Dieses Gef\u00fchl der Neugierde lasse ich erst mal in meinem Inneren wirken und versuchte ein Bewusstsein daf\u00fcr zu erlangen was sie wohl ausmachte. Das geht eine ganze Weile so und jedes Mal wenn sich ihr Blick ein wenig hob habe ich sie angel\u00e4chelt und ihr Gesicht erhellte sich ein wenig.<\/p>\n<p>Hier beginnt m\u00f6glicher Weise die Beziehung. Mein L\u00e4cheln, wenn auch unbewusst stattfindend, erzeugt ein L\u00e4cheln bei Sabine. Beziehung &#8211; das Zur\u00fccktragen schaffen \u2013 mein Verhalten erzeugt ein Verhalten bei Sabine. Im Weiteren kann man mein L\u00e4cheln aber auch als einen Akt der Wertsch\u00e4tzung verstehen. Sabine f\u00fchlt sich in diesen Moment zumindest von mir wahrgenommen. Wertsch\u00e4tzung beziehungsweise positive Zuwendung ist eine der Bedingungen auf die Rogers klientenzentriertes Modell aufbaut. (vgl. Rogers, 2006, S. 218)<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise hat Sabine mein L\u00e4chel auch als Provokation aufgefasst und versteht mein L\u00e4chel als gegen sich beziehungsweise gegen ihre schlechte Grundstimmung gerichtet auf. Wobei ich mein L\u00e4cheln sicherlich nicht bewusst eingesetzt habe um sie zu provozieren.(Farelly, 1986, S. 46 ff.)<\/p>\n<p>Meine Neugierde kl\u00e4rt sich allm\u00e4hlich auf, sie wird von dem mir wahrgenommenen Anderssein von Sabine motiviert. Nach einer Weile besuche ich die Leitung der Ma\u00dfnahme und \u00e4u\u00dfere meine Wahrnehmung in der Hoffnung meine Neugierde befriedigen zu k\u00f6nnen. Sabine hei\u00dft sie, ist neunzehn, sie hat einen mittleren Bildungsabschluss und kommt aus einer ganz normalen Familie. Dass sie die Ma\u00dfnahme im Bereich der Farbtechnik macht wei\u00df ich schon, das konnte ich ihrer Arbeitskleidung ansehen. Ok, denke ich mir, irgendwie habe ich das Gef\u00fchl da stimmt etwas nicht. Die Lehrgangsleitung ist noch nicht fertig, jetzt geht es erst richtig los. Sie kommt regelm\u00e4\u00dfig zu sp\u00e4t, das Betriebspraktikum hat sie abgebrochen, sie arbeitet nicht richtig mit, so geht das noch ein wenig weiter. F\u00fcr mich h\u00f6rt sich das fast an als wenn jemand aus einer Strafakte vorliest. Ich bin mir schon fast sicher dass dort etwas in Argen ist und frage die Kollegin nach den Interventionen. Einen Hausbesuch haben die zust\u00e4ndigen Kollegen gemacht, die zust\u00e4ndige Sozialp\u00e4dagogin und die Bildungsbegleiterin waren bei Sabine Zuhause und konnten auch im gemeinsamen Gespr\u00e4ch mit Mutter und Tochter keine Auff\u00e4lligkeiten feststellen. Das Team hat vereinbart bei den n\u00e4chsten Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten Sabine eine Abmahnung zu erteilen und zieht eine Beendigung der Ma\u00dfnahme also eine K\u00fcndigung in Betracht. Bei mir bleibt das Gef\u00fchl, dass da etwas nicht in Ordnung ist. So vergeht eine Weile bis sich nach einiger Zeit etwas ver\u00e4ndert. Ich bekomme das Gef\u00fchl das Sabine in den Momenten in denen wir uns begegnen die Initiative ergreift und mich anl\u00e4chelt und mein L\u00e4cheln einf\u00e4ngt um gleich darauf ihren Blick wieder zu senken. So geht wieder ein Weilchen Zeit dahin und ich merke, da wird etwas anders. Ich bekomme den Eindruck, dass Sabine meine N\u00e4he sucht, sie h\u00e4lt sich oft bei den Auszubildenden auf f\u00fcr die ich zust\u00e4ndig bin. Mitunter komme ich in die Verlegenheit sie in ihren Werkstattbereich zur\u00fcckzuschicken. Nach einer weiteren Weile, ich habe den Eindruck dass sie einen passenden Moment abgewartet hat, kommt sie zu mir und spricht mich an.<\/p>\n<p>Hier kommt m\u00f6glicher Weise schon der Aspekt der Kongruenz zum Tragen, ich lebe das was ich wirklich bin. Das hei\u00dft, dass ich keine berufliche oder h\u00f6fliche Fassade vor mir hertrage. Ich habe nicht versucht meine Neugierde zu verstecken, deshalb liegt die Vermutung nahe, dass eben genau das nach au\u00dfen wirkt. (vgl. Rogers 2006, S. 213 ff.)<\/p>\n<p>An anderer Stelle ist in einem \u00e4hnlichen Kontext von Verl\u00e4sslichkeit die Rede. Das meint nicht, das ich besonders sorgf\u00e4ltig oder p\u00fcnktlich bin, sonder vielmehr, dass das mein Verhalten verl\u00e4sslich und ehrlich ist. (vgl. Rogers, 2007, S. 64 f.)<\/p>\n<p>Sie habe ein Problem, ob ich ihr helfen k\u00f6nne. Ich bin erstaunt und sage ihr erst mal v\u00f6llig unreflektiert zu, dabei wei\u00df ich noch nicht einmal worum es geht. Ich frage nach was denn ihr Problem sei, sie reagiert z\u00f6gerlich, druckst herum, senkt ihren Blick, fast als wenn sie ihre Bitte zur\u00fcckziehen will. Ihr gehe es schlecht, echt hundsmiserabel und das wolle sie nicht. Bevor wir in ein richtiges Gespr\u00e4ch kommen k\u00f6nnen und Sabine mir genau erz\u00e4hlen kann worum es geht, werden wir von meinen Auszubildenden unterbrochen. Ich mache mir bewusst, dass ich ihr zugesagt habe zu helfen und das obwohl ich nicht einmal wei\u00df worum es geht. Das einzige wovon ich wei\u00df ist das es ihr schlecht geht und das ihre weitere Teilnahme an der Ma\u00dfnahme auf dem Spiel steht. Eigentlich h\u00e4tte ich ihr nur zusagen k\u00f6nnen, dass ich versuchen werde ihr zu helfen. Ich nehme mir vor das bei einem n\u00e4chsten Zusammentreffen zu berichtigen. Vorher kl\u00e4re ich aber den Spielraum meines m\u00f6glichen Mitwirkens mit der Ma\u00dfnahmeleiterin ab, sie gibt mir ihr Einverst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass ich mich mit Sabine vielmehr mit Sabine und ihrem Problem besch\u00e4ftige. Wieder treffen wir zu einem zuf\u00e4lligen Zeitpunkt zusammen und werden wieder Unterbrochen, wobei ich dieses Mal der Meinung bin, dass Sabine dieses Mal wesentlich zielgerichteter agiert, die L\u00f6sung ihres Problems scheint sehr wichtig f\u00fcr sie zu sein.<\/p>\n<p>Nachdem wir noch ein weiteres Mal an den \u00e4u\u00dferen Bedingungen scheitern, mache ihr einen Vorschlag. Ich unterbreite ihr das Angebot zu einem festen Termin zu mir zu kommen um dann ungest\u00f6rt zu bleiben. Damit wir bei diesem vereinbarten Termin nicht gest\u00f6rt werden reserviere ich einen Besprechungsraum.<\/p>\n<p>Der vereinbarte Termin r\u00fcckt n\u00e4her, ich bin ein wenig aufgeregt weil ich nicht wei\u00df was auf mich zukommt. Am vereinbarten Tag, einem Dienstag um zehn Uhr soll unser Treffen stattfinden. Ein wenig vorher sorge ich schon daf\u00fcr, dass der Raum angenehm temperiert ist und ein \u201eBitte nicht st\u00f6ren\u201c Schild au\u00dfen an der T\u00fcr h\u00e4ngt. Praktisch ist soweit alles vorbereitet, nur ich bin ein bisschen aufgeregt, f\u00fchle mich unvorbereitet, wei\u00df ich doch nicht was mich erwartet. Ich habe mich mit Sabine an Eingang verabredet, es ist kurz vor zehn, Sabine kommt mit gesenktem Kopf auf mich zu. Ich begr\u00fc\u00dfe sie, lade sie ein mit mir in den Besprechungsraum zu gehen, lasse sie einen Platz w\u00e4hlen. Sabine setzt sich mit dem R\u00fccken zur T\u00fcr. Ich bin dar\u00fcber sehr verwundert, meinem Empfinden nach ist das ein \u201eunsicherer Platz\u201c weil man nicht sehen kann wenn jemand den Raum betritt. Was mich in dem Augenblick beruhigt ist, dass Sabine ein wenig aufgeregt wirkt, also bin ich nicht alleine mit meinem Gef\u00fchl. Jetzt bin zun\u00e4chst ich am Zug, muss ich doch die Zusage zur Hilfe in die Zusage zu einem Hilfeversuch korrigieren. Sabine l\u00e4chelt mich an. Ich denke, dass mich meine Fehlbarkeit in diesem Augenblick f\u00fcr Sabine sehr menschlich erscheinen l\u00e4sst. Jetzt ist Sabine an der Reihe, ich er\u00f6ffne unser Gespr\u00e4ch mit der Frage nach ihrem Problem und danach wie sich meine Hilfe vorstellen k\u00f6nnte. Sabine druckst ein wenig herum, ich biete ihr Hilfestellung an. An welchem Ort ist das Problem, ist es in der Ma\u00dfnahme, Zuhause oder in einem ganz anderen Zusammenhang. Ihre Mine verdunkelt sich wieder ein wenig und sie f\u00e4ngt an zu erz\u00e4hlen. Sie h\u00e4tte das Gef\u00fchl das niemand der Akteure in ihrer Ma\u00dfnahme sie ernst nehmen w\u00fcrde. Sabine f\u00e4ngt mit dem Bildungsbegleiter an, der sie ihrer Meinung nach sehr unter Druck setzt, dabei aber nicht ihre Schwierigkeiten, ihr Problem akzeptieren, w\u00fcrde. Dann f\u00e4ngt sie an zu weinen, ich wei\u00df nicht wie ich damit umgehen soll. Aus meiner Verlegenheit biete ich ihr ein Taschentuch an, halte mich sonst aber zur\u00fcck und lasse sie weinen. Verstehen kann ich sie ein gutes St\u00fcck weit, wahrscheinlich das erste Mal das jemand zuh\u00f6rt und dann die Situation das, dass Problem wieder lebendig werden wird.<\/p>\n<p>Reflexiv wei\u00df ich, dass meine Zur\u00fcckhaltung in diesem Augenblick v\u00f6llig angemessen war. Auch wenn sich die Frage stellt, ob diese Zur\u00fcckhaltung etwas mit einf\u00fchlendem Verstehen zu tun hat wissen wir aus dem Lebensalltag, das Reaktionen auf weinen h\u00e4ufig dazu f\u00fchren, das dieses Weinen seine Bedeutung abgesprochen bekommt und der Versuch unternommen wird es wegzureden. Wir alle kennen doch S\u00e4tze wie \u201eDas ist doch nicht so schlimm\u201c, oder \u201eDas wird schon wieder\u201c. Leider ist es dann nur so, das genau diejenigen die so argumentieren sich wahrscheinlich nicht vorstellen k\u00f6nnen was in diesem Augenblick des Weines in uns vorgehen mag. Wichtig ist an diesem Punkt die Empathie, das einf\u00fchlende Verstehen. Ich trete in die Welt meines Klienten ein denn nur von dort aus kann ich ihn verstehen. (vgl. Rogers 2006, S. 213 ff.)<\/p>\n<p>Hier greift auch Moors erste Grundregel, \u201e1. Wir m\u00fcssen das Kind verstehen bevor wir es erziehen.\u201c (Moor, 1974, S. 259) Dieses Verstehen braucht eine unbeeindruckte innere Haltung die einen gewissen Abstand zum routinierten Alltag hat, damit wir unbeeinflusst davon pr\u00e4zise Diagnosen stellen k\u00f6nnen. Wir sollen in die Welt des Klienten eintreten damit wir verstehen k\u00f6nnen was er denkt und f\u00fchlt. (vgl. Moor, 1974, S. 277 ff.)<\/p>\n<p>Sabine beruhigt sich schnell wieder und f\u00e4ngt an zu erz\u00e4hlen. Ich habe den Eindruck, dass sie Inhaltlich wieder etwas zur\u00fcckgerudert ist und erst mal testen will wo sie mit mir dran ist. Sie bezieht sich auf ihre Zeit im Werkstattbereich und erz\u00e4hlt mir \u00fcber ihre Situation mit ihrem Ausbilder. Ihr Kopf ist dabei leicht nach unten geneigt und ihre Stimme sehr leise. Ich kann eine Unruhe bei ihr sp\u00fcren und kann nachvollziehen das sie sich in diesem Augenblick nicht sonderlich wohl in ihrer Haut f\u00fchlt. Sie f\u00fchlt sich unbeachtet, der Ausbilder w\u00fcrde ihr das Gef\u00fchl vermitteln das sie gar nicht da sei. Er w\u00fcrde ihr nicht einmal richtige Auftr\u00e4ge geben, geschweige denn etwas vormachen oder erkl\u00e4ren. Ich habe keine Zweifel an dem was Sabine mir da erz\u00e4hlt, kann das was sie in ihrer Werkstattsituation erlebt und f\u00fchlt gut nachvollziehen.<\/p>\n<p>Auch wenn das was Sabine an ihrem Arbeitsplatz bedr\u00fcckt f\u00fcr einen alten Hasen wie mich kein Problem sein w\u00fcrde, so akzeptiere ich ihre Gef\u00fchle und Wahrnehmungen in ihrer Situation und vor allen Dingen in ihrer Welt. Ich darf nicht den Ma\u00dfstab meiner Welt anlegen und dadurch m\u00f6glicherweise zu einem Urteil \u00fcber das Empfinden oder die Probleme des Klienten kommen. Auch wenn diese Situation f\u00fcr mich leicht zu meistern w\u00e4re, akzeptiere ich, dass es f\u00fcr Sabine eine schwierige Situation ist f\u00fcr die es scheinbar keine L\u00f6sung gibt. (vgl. Rogers, 2007, S. 219)<\/p>\n<p>Ich merke wie sich im Gespr\u00e4ch eine Spannung aufbaut und komme zu dem Schluss, dass Sabine nun von mir wissen will was sie tun soll. Das was ich verstehe und wie es bei mir wirkt, so gebe ich es an Sabine zur\u00fcck. Zu diesem Zeitpunkt \u00e4u\u00dfert sie zwar nichts, aber ich kann es merken, dass in Sabine etwas passiert, sie sich mit diesem einen Teil ihres Problems befasst und mein ge\u00e4u\u00dfertes Verstehen als eine andere Sichtweise auffasst die ihr vielleicht Hilfreich bei der L\u00f6sung des Problems sein kann. Die Zeit ist schnell vergangen es sind schon 45 Minuten um eine ganze Sitzung. Ich frage Sabine was sie f\u00fcr eine Vorstellung hat wie es m\u00f6glicher Weise weiter gehen soll und sie w\u00fcnscht sich einen n\u00e4chsten Termin. Wir werden uns in einer Woche wiedersehen.<\/p>\n<p>An dieser Stelle ist anzumerken, das Rogers Ansatz zun\u00e4chst \u201enicht direktiv\u201c war bevor er ihn in \u201eklientenzentriert\u201c umbenannte. Die L\u00f6sung ist f\u00fcr den Klienten immer seine Entwicklung durch sein eigenes Erleben in der Beziehung zum Professionellen mit einem gew\u00e4hrten Einblick in dessen Welt. Pr\u00e4zise dargestellt geht es um den durch Rogers gepr\u00e4gten Begriff der Selbstaktualisierung. Jeder Organismus, auch der Mensch hat die grunds\u00e4tzliche Tendenz sich zu entfalten, sich weiterzuentwickeln wenn die dazu notwendigen Informationen vorhanden sind. (vgl. Rogers, 2007, S. 41 f.)<\/p>\n<p>Beim zweiten Treffen erscheint Sabine schon etwas offener und das erste was sie mir mitteilt ist, dass es in der vorherigen Woche nach unserem Gespr\u00e4ch Klick bei ihr gemacht hat. Ich frage danach was den genau passiert sei. Sabine erkl\u00e4rt mir was sie f\u00fcr eine Erkenntnis mitgenommen hat. Es sei erst schwer f\u00fcr sie gewesen keinen konkreten Rat von mir bekommen zu haben, aber in dem Nachdenken \u00fcber unser Gespr\u00e4ch stellt sich f\u00fcr sie heraus, dass sie immer nur die anderen Beteiligten f\u00fcr ihre negativen Gef\u00fchle verantwortlich gemacht hat. Sie hat f\u00fcr sich herausgefunden, dass sie mit ihrem eigenen Handel der negativen Situation mit ihrem Ausbilder begegnen kann. Sie berichtet gleich von den Ereignissen der letzten Woche. Sie erz\u00e4hlt mir, dass sie nicht wie sonst gewartet hat bis etwas von ihrem Ausbilder kommt, sondern sie ist aktiv an ihn herangetreten hat ihm ihre Situation beschrieben und konnte damit erreichen das ihr der Ausbilder mehr Aufmerksamkeit gewidmet hat und auch die Arbeitsauftr\u00e4ge sich f\u00fcr sie verbessert haben. W\u00e4hrend Sabine mir das berichtet merke ich richtig wie sie dabei aufbl\u00fcht. Die sehr negative Grundstimmung die ich w\u00e4hrend des vorangegangenen Gespr\u00e4chs wahrgenommen hatte scheint wie von ihr abgefallen zu sein. Auch f\u00fcr ihren weiteren Ma\u00dfnahmeverlauf scheint Sabine an Zuversicht gewonnen zu haben. Wir machen uns auf zum n\u00e4chsten Thema, wir hatten im Vorherigen Gespr\u00e4ch vereinbart uns mit der Situation des Hausbesuches zu besch\u00e4ftigen. Als ich dieses Thema anspreche sinkt die Stimmung von Sabine wieder. Ich habe den Eindruck sie mag nicht so wirklich daran gehen, vielleicht hat sie Angst wieder in ihre alte Stimmung zur\u00fcckzufallen. Aber gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass sie sich doch an dieses Thema heranwagen will. Sie f\u00e4ngt von alleine an zu berichten. Zwei meiner Kolleginnen haben gemeinsam mit ihr einen Hausbesuch gemacht. Das was die Kolleginnen dort vorgefunden haben entsprach einem normalen, geregelten Haushalt. Das Gespr\u00e4ch mit der Mutter verlief laut Aussage der Kolleginnen sehr gut. Die Mutter hat sich an dieser Stelle aber sehr negativ \u00fcber Sabine ge\u00e4u\u00dfert. An dieser Stelle komme ich in einen Rollenkonflikt, den ich Sabine auch mitteile. Sabine ist wegen ihrer Probleme als Ratsuchende zu mir gekommen und ich bin jetzt erst einmal in der f\u00fcr mich ung\u00fcnstigen Situation eines Wiederspruchs, denn das was meine Kolleginnen vorgefunden haben l\u00e4sst sich vom Grunde her nicht verleugnen. Ich erkenne diesen Zwiespalt und versuche mich von diesen Feststellungen frei zu machen. Das scheint mir dann auch wirklich gelungen zu sein, denn Sabines Gem\u00fct erhellt sich wieder ein wenig und wir sind mit diesem Treffen schon wieder am Ende. Wir verabreden und wieder f\u00fcr einen Tag in der Folgewoche. Nach drei Tagen kommt Sabine zu mir, sie ist ganz niedergeschlagen und wirkt gleichzeitig sehr aufgew\u00fchlt. Sie spricht mich an und sagt mir, dass sie mir etwas ganz wichtiges zeigen wolle. Ich lasse sie gew\u00e4hren und verlange nicht von ihr, die Angelegenheit bis zu unserem n\u00e4chsten Termin aufzuschieben.<\/p>\n<p>Was sie mir zu zeigen hat erf\u00fcllt mich schon fast mit Entsetzen. Sabine zeigt mir zwei Kurznachrichten auf ihrem Handy die sie jeweils am Vortag und am aktuellen Tag von ihrer Mutter bekommen hat. In der ersten Nachricht schreibt ihre Mutter von Verbundenheit und Liebe gegen\u00fcber Sabine. Als ich die zweite Nachricht lese entgleisen mir fast die Gesichtsz\u00fcge. Aktuell, mitten in Sabines Arbeitszeit, bekommt sie eine Nachricht von ihrer Mutter in der die Mutter eine tiefe Abneigung gegen\u00fcber Sabine \u00e4u\u00dfert und sich Sabines Auszug aus dem Elternhaus herbeisehnt. Ich schaue zwei Mal hin nein, da ist nichts manipuliert, das ist eine Rufnummer die bei Sabines Teilnehmerdaten hinterlegt ist.<\/p>\n<p>Auch hier kommt Rogers Ansatz der Selbstaktualisierung zum Tragen, dieses Mal allerdings nicht beim Klienten, sondern beim Professionellen. Ich habe hier eine Information bekommen, die mich erahnen l\u00e4sst, dass der Hausbesuch m\u00f6glicher weise ein reines Schauspiel war.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich bedeutet das die Best\u00e4tigung meiner Ahnung, da stimmt etwas nicht. Der Zeitrahmen und die Umgebung gestattet es uns leider nicht uns zur\u00fcckzuziehen und uns damit zu besch\u00e4ftigen. Ich kann in dieser Situation Sabine nur zugestehen, dass mein Zwiespalt in dem letzten Gespr\u00e4ch hinf\u00e4llig ist und ich mittlerweile sehr gut verstehen kann, dass es Ihr damit nicht gut geht. Wir vertagen uns auf den vereinbarten Termin Als wir uns trennen habe ich das Gef\u00fchl das Sabine trotz alldem nicht so negativ wie bei unseren ersten Zusammentreffen ist.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Dienstag ist da, ich bin wieder mit Sabine verabredet. Unser Thema haben wir schon festgelegt als Sabine mir die Nachrichten ihrer Mutter gezeigt hat. Wir sitzen wieder zusammen in dem Besprechungsraum und haben heute M\u00fche warm zu werden, oder liegt das wohl an dem sensiblen Thema was wir f\u00fcr heute geplant hatten? Sabine erz\u00e4hlt mir, dass es f\u00fcr sie in der Werkstatt besser geworden ist, sie aber f\u00fcr sich auch Abstriche gemacht hat. So langsam werden wir warm und n\u00e4hern uns allm\u00e4hlich dem Thema mit den Nachrichten der Mutter zu. Sie f\u00e4ngt aus der Zeit ihres Heranwachsen zu erz\u00e4hlen. Sabine ist ein Nachz\u00f6gling und ihre Mutter ist im Verh\u00e4ltnis schon relativ alt. Gro\u00dfgezogen sagt Sabine habe sie ihre Schwester, als die dann geheiratet habe und ausgezogen sei, ist das Problem angefangen. Ihre Mutter habe sich nicht wirklich interessiert und Sabine hatte dadurch das Gef\u00fchl abgeschoben, sich selbst \u00fcberlassen zu sein.<\/p>\n<p>Nach dem Schulabschluss vor einem dreiviertel Jahr ist das mit ihrer Mutter erst so richtig losgegangen. Den einen Tag so, den anderen so. Den einen Tag \u00fcbersch\u00fcttet die Mutter Sabine mit Liebe und Zuwendung, den anderen Tag dr\u00fcckt sie eine wirklich extreme Abneigung gegen\u00fcber Sabine aus. Und st\u00e4ndig muss sie sich anh\u00f6ren, dass sie nichts hinbekommt Die Mutter wirft ihr vor das sie nicht einmal in der Lage sei einen Ausbildungsplatz zu finden. Die einzige wirkliche Bezugsperson ist ihr Vater, w\u00e4hrend sie mir das erz\u00e4hlt, erhellt sich ihr Gesicht. Aber der Vater hat auch gro\u00dfe Probleme mit seiner Frau, die beiden stehen M\u00f6glicher weise kurz vor der Trennung. Das nimmt Sabine schon beim Erz\u00e4hlen richtig mit. Sie will nicht das ihre Eltern miteinander streiten, erst recht nicht, dass sie sich trennen. Vor allen Dingen will sie nicht, dass ihre Mutter so zu ihr ist.<\/p>\n<p>Auch wenn die Situation \u00e4hnlich der mit Sabines Ausbilder ist, helfen ihr ihre Erkenntnisse die sie dadurch gewonnen hat in diesen Fall nicht. Wir kommen an einen Punkt an dem Sabine erkennt, dass die Erwartung ihre Mutter solle sich \u00e4ndern, ihr wenig weiterhelfen wird. Sie erkennt selber, dass sie ihre Einstellung und Erwartung bez\u00fcglich ihrer Mutter \u00e4ndern k\u00f6nnte, hat aber noch keine Idee wie sie das f\u00fcr sich realisieren soll. Sabine selber sagt es hat Klick gemacht, das ist was bei ihr passiert, aber es reicht eben noch nicht um das Problem mit ihrer Mutter zu l\u00f6sen. Insgesamt stellt das auch kein besonders gro\u00dfes Problem dar, denn wir werden ja weiter daran arbeiten. Wir verabreden uns wieder f\u00fcr einen Termin in der n\u00e4chsten Woche und haben schon beschlossen weiter an dem Thema Mutter zu arbeiten. Am n\u00e4chsten Termin erscheint Sabine geknickt, sie berichtet mir, das zwei junge Frau die gemeinsam mit ihr in der Berufsvorbereitungsma\u00dfnahme sind gerade ein Betriebspraktikum absolvieren und gute Perspektiven auf einen Ausbildungsplatz haben. Ich habe das Gef\u00fchl das Sabine dem Thema Mutter, welches wir in der Vorwoche vereinbart hatten, ausweichen m\u00f6chte. Ich lasse mich darauf ein, kann es mir aber nicht verkneifen die Situation mit den beiden Kolleginnen sehr provokant mit dem Satz \u201edie sind ja auch ganz anders\u201c zu kommentieren. \u00a0Die Zeit ist aus meinem Verstehen nicht verplappert sondern wir haben in der Beziehung gearbeitet. Schon ist es wieder soweit, die Verabredung f\u00fcr n\u00e4chste Woche.<\/p>\n<p>Farrely setzt prinzipiell bei Rogers Konzept an, hat dann aber noch eine eigene Hypothesenbildung angeh\u00e4ngt. \u201eDie erste Hypothese richtet sich an die Einstellung des Patienten, sich selbst gegen\u00fcber, seinem Selbstkonzept: Wenn er von dem Therapeuten provoziert wird [&#8230;], tendiert der Patient dazu, sich in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen und zwar genau entgegengesetzt der Definition, die der Therapeut von dem Patienten als Person gegeben hat. Die zweite Hypothese zielt auf das offene Verhalten des Patienten: Wenn er provokativ von dem Therapeuten dazu gedr\u00e4ngt wird [&#8230;], seine Selbstverteidigung und sein eingeschr\u00e4nktes Verhalten fortzusetzen, dann wird der Patient dazu neigen, sich auf sein eigenes sichselbsterweiterndes und den anderen f\u00f6rderndes Verhalten einzulassen. Das f\u00fchrt sehr viel direkter an die gesellschaftliche Norm heran.\u201c (Farelly, 1986, S.68)<\/p>\n<p>In den folgenden zwei Wochen fallen unsere Gespr\u00e4chstermin aus, Sabine hat kurzfristig ein Betriebspraktikum gefunden. Nach zwei Wochen sehen wir uns wieder, Sabine tritt mir mit einem strahlenden Grinsen im Gesicht gegen\u00fcber. Ich wei\u00df was passiert ist. Sabine wollte nicht anders sein und hat sich m\u00e4chtig in Zeug gelegt um einen Praktikumsplatz zu bekommen, mit Erfolg. Ich bin erstaunt wie einfach eine Provokation wirkt, ja schon fast unmittelbar. Die Mutter wird von Sabine nicht mehr thematisiert, ich werde sie auch nicht dr\u00e4ngen, denn sie scheint f\u00fcr sich eine L\u00f6sung gefunden zu haben, die f\u00fcr sie zumindest im Moment vertr\u00e4gliche ist.<\/p>\n<p>Es kommt eine Phase da k\u00f6nnen wir unsere treffen nicht wahrnehmen weil ich an einen anderen Einsatzort delegiert bin. Als ich zur\u00fcckkomme ist Sabrinas Ma\u00dfnahme beendet, ich bin ein wenig traurig weil wir uns nicht mehr verabschieden konnten. Habe aber die gro\u00dfe Hoffnung dass der auch fruchtbare Kontakt wieder aufleben wird. Schneller als gedacht kann ich Sabine dann doch noch einmal kontaktieren, ich habe von einem Unternehmen eine Anfrage nach einem Auszubildenden bekommen und habe sofort an Sabine gedacht. Ich rufe sie an um sie zu fragen ob sie Interesse an diesem Ausbildungsplatz hat, da f\u00e4ngt sie an zu Lachen und lehnt dankend ab. Sabine hat einen Ausbildungsplatz bei einer namhaften Automarke als Mechatronikerin. Bei einem sp\u00e4teren Treffen erz\u00e4hlt sie mir mit etwas Hochmut, das ihre beiden Freundinnen zu Hause sitzen und keinen Ausbildungsplatz bekommen haben Sie ist stolz weil sie das alles alleine hinbekommen hat. Meiner Meinung nach hat sie auch das Recht dazu!<\/p>\n<h3><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Schlussfolgerungen aus dem Fall Sabine<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Der Fall Sabine zeigt auf, das Beziehung im Sinne Rogers tats\u00e4chlich sehr viel bewirken kann. Ich habe noch fortlaufen Kontakt zu Sabine und kann bei jedem Zusammentreffen wieder beobachte was f\u00fcr eine enorme Entwicklung gemacht hat und sich daraus noch immer weiter entwickelt. Au\u00dfenstehende die im Regelm\u00e4\u00dfigen Kontakt mit Sabine stehen haben mich schon als Ratsuchende aufgesucht weil sie die Entwicklung Sabines beobachtet haben und davon \u00fcberrascht und sogleich fasziniert sin.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich ist es allerdings auch f\u00fcr mich verlaufen, Sabine war f\u00fcr mich ein erster konkreter Beratungsfall. Ich habe sehr viel aus dieser Situation mitgenommen und konnte schon von Sitzung zu Sitzung Ver\u00e4nderungen an mir wahrnehmen. Ich w\u00fcnsche mir, dass dieser Prozess im Fluss bleibt denn das ist f\u00fcr mich eine sehr gro\u00dfe Bereicherung.<\/p>\n<h2><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Das m\u00f6gliche Wirken der Beziehung<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>In den Beziehungen passiert etwas was auf die Entwicklung des Klienten Auswirkungen hat. Was genau kann man vorab nur ahnen. Ist es m\u00f6glicher Weise die L\u00f6sung des Problems oder der St\u00f6rung die, die Ver\u00e4nderung herbeif\u00fchren?<\/p>\n<h3><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Sinnfindung<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Moor ist konzeptionell sehr am Erziehen, an der Heilp\u00e4dagogik ausgerichtet. Grunds\u00e4tzlich fehlt hier das konkrete Bild der Ver\u00e4nderung im Sinne Rogers, dennoch soll der Versuch unternommen werden auch an dem Konzept\u00a0 Moors die m\u00f6gliche Ver\u00e4nderung aufzuzeigen. Heilp\u00e4dagogik orientiert sich daran das Ganze herzustellen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist der innere Halt, das was die Pers\u00f6nlichkeit ausmacht wie im Vorfeld schon beschrieben. Dar\u00fcber hinaus zielt Moor in seinen Werken auf die Sinnfrage ab. Wenn wir eine Sinn in dem finden was uns aufgegeben ist oder was wir und selber aufgeben, dann kann mit einem inneren Halt eine gute Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit stattfinden.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Selbstaktualisierung und Entwicklungsprozess<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Zentral ist es die jedem Organismus innewohnende Selbstaktualisierungstendenz die mit den n\u00f6tigen Informationen eine Ver\u00e4nderung m\u00f6glich macht. Rogers hat dar\u00fcber hinaus aber noch sehr wichtige und tiefgreifende Beobachtungen gemacht. Menschen ver\u00e4ndern sich nicht nur, sondern sie bilden eine eigene Pers\u00f6nlichkeit heraus. Klienten entwickeln ein Selbst und bewegen sich von einem Selbst das sie nicht sind weg. Sie entwickeln Tendenzen sie von etwas weg zu bewegen was sie sein sollten, hin zu dem was sie sein wollen oder k\u00f6nnen. Insgesamt ist es so darstellbar, dass sich Klienten von Erwartung die von au\u00dfen an sie gestellt werden, befreien und eine ungeahnte Form der Autonomie gewinnen. Sie geraten in einen Prozess der Bewegung hin zu einer f\u00fcr sie oft v\u00f6llig neuen Offenheit, zun\u00e4chst der Welt gegen\u00fcber und dann auch sich selber gegen\u00fcber. Sie lernen sich selber als einen als einen Prozess kennen und sch\u00e4tzen. Die Pers\u00f6nlichkeit, das Selbst entwickelt sich.<\/p>\n<h2><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Abschlie\u00dfende Betrachtung \u2013 Ausblick<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>An dieser Stelle wird wahrscheinlich erwartet, dass die drei in dieser Arbeit verwendeten Konzepte gegen\u00fcbergestellt und verglichen werden. Indirekt ist das schon im Verlauf dieser Arbeit geschehen so, dass es an dieser Stelle nicht noch einmal vorgenommen weder muss.<\/p>\n<p>Vielmehr soll hier er\u00f6rtert werden, dass es tats\u00e4chlich so etwas wie eine \u201eBeziehungskompetenz\u201c gibt und das, wenn wir es schaffen sie auch in diesem Sinne anzuwenden, es einen gro\u00dfen Gewinn f\u00fcr unsere Klienten, aber auch f\u00fcr uns selber haben k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Beziehung braucht etwas wie eine Weisheit die den agierenden Personen innewohnt.<\/p>\n<p>Alle drei verwendeten Konzepte beschreiben das Beziehungsgeschehen, im konkreten Wortlaut unterscheidet sich Moor allerdings erheblich. Rogers und Farelly r\u00fccken die Beziehung zum Klienten in den zentralen Mittelpunkt des Geschehens. Rogers geht sogar noch einen Schritt weiter und stellt die These auf, das es mehr die Beziehung ist, die die Ver\u00e4nderungen bewirkt als die eigentliche Therapie an sich. Diese Arbeit sollte herausbilden was Beziehung ist und wie sie m\u00f6glicher Weise wirken kann, das ist bis hierher gelungen.<\/p>\n<p>Beziehung findet im sozialp\u00e4dagogischen Feld und nicht nur dort regelm\u00e4\u00dfig statt. Daher sollte man zu einer Grundauffassung kommen die das herausbilden einer Beziehungskompetenz als Handlungskompetenz fordert und f\u00f6rdert. Das w\u00fcrde zu einem wesentlich fruchtbareren Arbeiten in diesem Feld f\u00fchren. Aber auch andere Professionelle wie Lehrer, \u00c4rzte, eben alle Professionen die erfolgreich mit Menschen arbeiten wollen, w\u00fcrden einen Gewinn daraus ziehen.<\/p>\n<p>Mein pers\u00f6nliches Fazit ist, dass Beziehung sehr einfach klingt, aber genauso schwierig anzuwenden ist. Das Thema Beziehung ist so komplex und in seiner Gesamtheit schwer zu erfassen, dass es wom\u00f6glich einer eigenen Disziplin bedarf.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine m\u00f6gliche eigene wissenschaftliche Zukunft habe ich mir an dieser Stelle schon die Aufgabe gestellt mich weiter und umfassender mit einer Wissenschaft der Beziehung zu befassen und Beziehung zu erforschen.<\/p>\n<h2><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Literaturnachweis<\/strong><\/span><\/h2>\n<ul>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;\">DWDS,Digitales W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache: Beziehung,<em> URL: <\/em>http:\/\/www.dwds.de\/?kompakt=1&amp;qu=Beziehung, Download vom: 15.02.2012<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;\">Farrely\/Brandsma: <em>Provokative Therapie<\/em>, Springer Medizin Verlag, 1986, Heidelberg<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;\">Haeberlin, Urs: <em>Grundlagen der Heilp\u00e4dagogik: Einf\u00fchrung in eine wertgeleitete erziehungswissenschaftliche Disziplin. <\/em>Haupt Verlag, 2005, Bern<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;\">International Association of Social Educators: <em>Die professionellen Kompetenzen von Sozialp\u00e4dagogen\/innen\/innen, Ein konzeptioneller Rahmen, 2005, URL:<\/em> http:\/\/www.vegjd.de\/downloads\/AIEJI%20conceptual%20\u00a0\u00a0\u00a0 framework_DE.pdf, Download vom: 26.03.2012<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;\">Moor, Paul: <em>Heilp\u00e4dagogische Psychologie. Band I<\/em>, Verlag Hans Huber, 1960, Bern<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;\">Moor, Paul: <em>Heilp\u00e4dagogik. Ein p\u00e4dagogisches Lehrbuch<\/em>, Verlag Hans Huber, 3. Aufl. 1974, Bern<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;\">myEtymology.com: relationship, URL:\u00a0http:\/\/www.myetymology.com\/english\/relationship.html, Download vom: 01.03.2012<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;\">Rogers, Carl R.: <em>Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit. Psychotherapie aus der Sicht eines Therapeuten,<\/em> Klett-Cotta,16. Aufl. 2006, Stuttgart<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;\">Rogers, Carl R.: <em>Therapeut und Klient<\/em>, Fischer Taschenbuchverlag, 19. Aufl. 2007, Frankfurt am Main<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;\">Stimmer, Franz: <em>Grundlagen des Methodischen Handelns in der Sozialen Arbeit. <\/em>Kohlhammer Verlag, 2. Aufl. 2006, Stuttgart<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;\">Szczyrba, Birgit: <em>Rollenkonstellationen in der p\u00e4dagogischen Beziehungsarbeit. Neue Ans\u00e4tze zur professionellen Kooperation am Beispiel von Schule und Jugendhilfe.<\/em> Julius Klinkhardt Verlag, 2003, Bad Heilbrunn<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;\">Wikipedia: Interpersonal_relationship, URL:\u00a0http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Interpersonal_relationship, Download vom: 15.02.2012<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;\">Wolf , Klaus: <em>Profimacht und Respekt vor Kinderrechten.<\/em> Forum Erziehungshilfen 2001, Heft 1: S. 4 \u2013 9<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;\">WoxiKon: Beziehung, URL: http:\/\/synonyme.woxikon.de\/synonyme\/beziehung.php, Download vom: 01.03.2012<\/span><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entstehen und Wirken von Beziehung nach Rogers und Moor Vorwort und Danksagung Mein ganzes inneres Wirken erwies sich als eine lebendige Heuristik, welche, eine unbekannte geahnte Regel anerkennend, solche in der Au\u00dfenwelt zu finden und in die Au\u00dfenwelt einzuf\u00fchren trachtet. 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